Zeitung Heute : Toyota – langweilig, aber erfolgreich

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Von Dieter Fockenbrock

Die Automobilhersteller warten sehnsüchtig auf die Wende: Noch jammert die gesamte Branche über Kostenprobleme, lustlose Käufer und miese Bilanzen. Daimler stöhnt unter den roten Zahlen seines amerikanischen Partners Chrysler, Volkswagen kämpft mit Überkapazitäten. Ford und General Motors müssen den Verkauf mit immer neuen Rabattschlachten fördern. Nur Toyota fährt völlig unbeeindruckt davon Rekordgewinne ein. Mit neun Milliarden Euro verdienen die Japaner doppelt so viel wie die Weltmarktführer Ford und General Motors zusammen. Und in Deutschland ist Toyota mit einem Plus von 32 Prozent bei den Zulassungen absolute Spitze.

Was machen die Japaner eigentlich besser als ein Jürgen Schrempp oder ein Bernd Pischetsrieder? Das Rezept ist einfach: Toyota verzettelt sich nicht in Träumereien von der WeltAG wie Daimler-Chrysler. Toyota hat auch nicht als Ziel, sich wohlklingende Markensammlungen nach dem Vorbild von VW zuzulegen. Die Japaner machen einfach ihre Hausaufgaben. Toyota baut solide und zuverlässige Fahrzeuge und – was noch viel wichtiger ist – Toyota macht alles selbst. Keine spektakulären Übernahmen, keine Experimente mit unkalkulierbaren Partnern. Die Japaner verkaufen ihre Autos nicht nur weltweit, sie bauen sie inzwischen auch in allen Ländern. Das macht sie von Schwankungen der Wechselkurse unabhängig.

Versagt hat der größte japanische Autohersteller nur an einer Stelle. In der Formel 1. Da ist er trotz millionenschwerer Investitionen Schlusslicht. An Toyota ist eben wenig spektakulär – bis auf den Gewinn.

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