Zeitung Heute : Tragekomfort dieses zauberischen Zunft-Stempels soll noch verbessert werden

Uta-Maria Heim

Ein Presseausweis gilt als Sesam-öffne-dich. Er schafft Autorität und beruhigt die Nerven. Besonders dann, wenn der Journalist die gewohnten Gefilde verlässt und sich auf abenteuerliches Terrain begibt. In fernen Krisengebieten lauern Konflikte, die sich mit dem einfachen Demonstrieren seiner Berufsgruppenzugehörigkeit (zumindest gedanklich) rasch beilegen lassen. Nun sollte der Tragekomfort dieses zauberischen Zunft-Stempels noch verbessert werden: Mit dem bundeseinheitlichen, neuen Presseausweis, der mit seinem Chipkarten-Outfit den hochtechnologisierten Anforderungen des 3. Jahrtausends genügen möchte. Zu beziehen ist er über mehrere ausstellungsberechtigte Organisationen, vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger bis zu den IG Medien.

Das Foto sieht aus wie ein Faxausdruck, die Unterschrift ist schwach und gebrochen, das Druckbild verwaschen, und die Kleber lösen sich ab. Selten gab es ein unseriöseres und unglaubhafteres Dokument, selten wirkte ein Papier gefälschter. Dieses Stück Plastik hat Schwarzmarktqualität, und dafür sind ausgerechnet all jene Organisationen verantwortlich, die hierzulande für das Gedruckte zuständig sind. Gerhard Manthey von der IG Medien in Stuttgart räumt beim Verschicken der Ausweise in einem Sonderschreiben ein, es handele sich bei dem "gelieferten Material" in vielen Fällen sogar um einen "kompletten Fehldruck". Er verspricht, im 2. Halbjahr 2000 für kostenfreien Ersatz zu sorgen. Und er betont, "dass die Mängel nicht von der IG Medien zu verantworten sind".

Einstweilen empfehlen wir allen Kollegen, nicht zu verreisen. Und wenn doch, dann eben auf Bahn-Card, auf die "Fortschritt Card" der Bio-Kooperative oder die AOK-Karte. Mit diesen gut lesbaren Dokumenten kommt man in Krisengebieten bestimmt besser durch.

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