Zeitung Heute : TRAGIKOMÖDIE

Muzika

Kerstin Decker

Dies ist der erfolgreichste slowakische Film seit Gründung des Landes. Er hängte Blockbuster wie „Iron Man“ ab, als sei nichts einfacher, als Amerika zu überholen. Amerika, das Traumland, als die eigene Welt noch aus lauter Grenzen bestand. Das Dorf, aus dem man kommt – eine Grenze. Der Stacheldrahtzaun – eine Grenze. Die Freundin … Allein das Saxofon, das Martin sich kauft, hat Töne, die sind grenzenlos. „Muzika“ spielt in der Slowakei, als sie noch die Vorsilbe „Tschecho-“ dulden musste. Aber wahrscheinlich erzählt dieser seltsame Film die Geschichte einer ganzen Generation Ost, die hinter dem Eisernen Vorhang geboren wurde. Vielleicht hat keine besser gewusst, was Sehnsucht ist. Anfangs scheint „Muzika“ keinen Rhythmus zu finden, jeder Ton wirkt falsch. Aber dann ist plötzlich alles so richtig, wenn Martin Saxofon spielt. Seltsam. Kerstin Decker

„Muzika“, Slowakei/D 2008, 99 Min., R: Juraj Nvota, D: Lubos Kostelny, Tana Pauhofova

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