Zeitung Heute : TRAGIKOMÖDIE

Einer wie Bruno.

Susanne Stern

Das Familienleben der 13-jährigen Radost ist ungewöhnlich. Sie lebt mit ihrem Vater Bruno (Christian Ulmen) zusammen: Bruno ist herzensgut, aber geistig auf dem Entwicklungsstand eines nicht sehr hellen Kindes, die Erwachsenenrolle muss seine Tochter übernehmen. Ihr labiles Zusammenleben gerät aus dem Gleichgewicht, als Radost sich verliebt und zum ersten Mal die Welt außerhalb ihrer Kleinstfamilie wichtiger findet. Eigentlich eine interessante Konstellation für eine Coming-of-Age-Geschichte, und Lola Dockhorn spielt Radosts Loyalitätskonflikte überzeugend. Schwieriger ist es mit Christian Ulmen. Er legt den behinderten Bruno so äußerlich an, dass die Figur nur in manchen Momenten glaubwürdig und berührend wirkt. Dass Ulmen mit kleineren Mitteln mehr erreichen kann, hat kürzlich „Jonas“ gezeigt. Auch das viel zu weichgespülte Ende, das alle Konflikte revidiert, tut dem Film nicht gut. Mau. Susanne Stern

D 2011, 108 Min., R: Anja Jacobs, D: Christian Ulmen

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