TRAGIKOMÖDIE„Ich sehe den Mann deiner Träume“ : Das wird böse enden

Foto: Concorde
Foto: Concorde

Okay, ein Blockbuster wird der neueste Film von Woody Allen wohl wieder nicht werden. Gestraft mit der für Arthouse-Produktionen typischen geringen Anzahl von Kopien, kam der im Original „You will meet a tall dark Stranger“ betitelte Streifen in den USA auf ein Einspielergebnis von drei Millionen Dollar. Man fragt sich natürlich, wie das geht, wenn vermutlich jeder einzelne Star seines vorzüglichen Ensembles im Normalfall eine Gage von dieser Höhe aufrufen könnte. Doch Allen ist eben ein Regisseur, dem es immer wieder gelingt, aus seinen Darstellern bis dato Unerwartetes herauszukitzeln. Wer außer ihm würde sich trauen, einen Anthony Hopkins als viagraschluckenden Prostituiertenbegatter oder Antonio Banderas als schnöseligen Galeristen-Kleiderständer zu besetzen?

Im Zentrum der seit Allens „Stadtneurotiker“ erprobten, nunmehr nach London verlegten Versuchsanordnung eines dysfunktionalen urbanen Beziehungsgeflechts steht diesmal die Ehe von Roy (Josh Brolin) und Sally (Naomi Watts, links): Er ist ein verkrachter Schriftsteller, der nach einem Zufallsbestseller nur noch Flops gelandet hat und unter einer Schreibblockade leidet, sie muss in subalterner Assistentinnenstellung das Haushaltsgeld verdienen und träumt von Kindern und der eigenen Galerie. Das geht nicht ohne einen Kredit von Sallys frisch verlassener Mutter (Gemma Jones, rechts), die den zunehmend weltfremden Einflüsterungen einer esoterischen Scharlatanin erliegt, während sich ihr Ex-Gatte (Hopkins) mit seiner nicht mal halb so alten Gespielin sowohl sexuell wie finanziell überhebt. Als Roy einer schönen Nachbarin nachsteigt und sich das Romanmanuskript eines verunglückten Pokerkumpanen aneignet, drohen die Verhältnisse aus dem Ruder zu laufen.

„Ich sehe den Mann deiner Träume“ ist mit der für Allens bessere Filme charakteristischen Schwerelosigkeit erzählt, bei der man kaum bemerkt, wie am Horizont Katastrophen heraufziehen. Mit anekdotischer Handlungsstruktur, eloquentem Wortwitz, einer sarkastischen Erzählerstimme und seiner Vorliebe für harmlosen Dixieland-Jazz wiegt Allen einen so in Sicherheit, dass einen die Wucht des Finales wie ein Schlag in die Magengrube trifft.

Ein Trost für Arthouse-Pessimisten: Im cineastischen Musterland Frankreich hat der Film bereits fast eine Million Zuschauer in die Kinos gelockt. Unterhaltsam.Jörg Wunder

USA/E 2010, 99 Min., R: Woody Allen,

D: Naomi Watts, Josh Brolin, Anthony Hopkins,

Antonio Banderas, Gemma Jones, Rupert Frazer

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben