Zeitung Heute : Training für das neue Leben

Freddy Pritzkau war 19, als ihm ein Kleinlaster auf seinem Rad die Vorfahrt nahm. Die Berufsgenossenschaft half bei Jobsuche, Hausbau – und mit Rehasport

Mit dem Rad war der begeisterte Mountainbiker Freddy Pritzkau im September 1992 zu seinem Ausbildungsplatz als Energieanlagenelektroniker unterwegs, als ihm ein Kleinlaster die Vorfahrt nahm. Der 19-Jährige konnte nicht mehr ausweichen, überschlug sich und verletzte sich am Rücken. Die Diagnose des Notarztes am Unfallort: Querschnittlähmung. Da der Unfall auf dem Arbeitsweg passierte, kümmerte sich von nun an die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse um ihn.

Nach einer Operation und einem einmonatigen Aufenthalt im Kreiskrankenhaus Gummersbach wechselte Freddy Pritzkau zur Rehabilitation in das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. „Hier musste ich noch einmal operiert werden“, sagt Pritzkau, „toll war jedoch das sportliche Angebot, das ich danach zur Reha nutzen konnte.“ Er probierte vieles: Rollstuhltischtennis, Bogenschießen, Rollstuhlbadminton und Rollstuhlbasketball. Derweil kümmerte sich die Berufsgenossenschaft um seine Wohn- und Arbeitssituation. „Die BG nahm schnell Kontakt mit mir auf“, erinnert sich Pritzkau. Gemeinsam entschied man sich für den Bau eines rollstuhlgerechten Hauses, wozu Freddy Pritzkau einen Vorschuss für den Kauf des Grundstücks bekam, der später mit der Bezuschussung für den behindertengerechten Ausbau des Hauses verrechnet wurde.

Auch beruflich ging es nach der Reha weiter. Noch in der Klinik besuchte ihn sein Arbeitgeber, und gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft fand man einen Weg, seinen Arbeitsplatz umzubauen, so dass er seine Ausbildung abschließen konnte. Mittlerweile arbeitet Pritzkau im Marketing. Vom Sport hat sich Freddy Pritzkau durch seinen Unfall nie abhalten lassen. Nach seiner Rehabilitation nahm er Kontakt zu Rollstuhlbasketballvereinen auf und spielte zehn Jahre in der Bundesliga. Inzwischen hat er selbst eine Mannschaft mitgegründet. Außerdem war Pitzkau einer der ersten Rollstuhlfahrer, die einen Bootsführerschein gemacht haben. Dann hat er noch den Tauchschein, und fährt Wasserski. Freddy Pritzkau ist verheiratet, dreifacher Vater – und gibt seine Leidenschaft für den Wasserskisport in gemischten Kursen für Rollstuhlfahrer und Nichtrollstuhlfahrer weiter. PZ

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