Trauerkleidung : Tönung der Trauer

Seit Jahrhunderten wird das Abschiednehmen mit dunklen Farbnoten ausgedrückt. Auch Weiß spielt eine große Rolle. Doch der Zeitgeist ändert sich.

Frank Wendler
Trauer in Schwarz und Weiß. Die niederländische Königsfamilie nahm im August 2013 Abschied von Prinz Friso.
Trauer in Schwarz und Weiß. Die niederländische Königsfamilie nahm im August 2013 Abschied von Prinz Friso.Foto: imago

Vor zehn Jahren trauerten die Frauen beim Staatsbegräbnis der holländischen Königinmutter Juliana 2004 in Delft im weißen Kostüm. „Für Juliana war der Tod kein Untergang in graue Düsternis, sondern ein Übergang in das Licht und die Geborgenheit der göttlichen Liebe“, sagte damals ihre Pfarrerin Welmet Hudig-Semeijns de Vries van Doesburgh. Knapp zehn Jahre später, beim Begräbnis von Prinz Friso, der bei einem Lawinenunglück im österreichischen Lech schwer verletzt wurde und nach knapp eineinhalb Jahren im Koma gestorben war, trugen die Damen der königlichen Familie erstmals alle Schwarz.

In den beiden Farben finden zwei sehr alte Traditionen ihren Ausdruck. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es, einstmals war die Erde „wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe“. Diese Tiefe ist Schwarz und die Farbe steht zumindest im westlichen Kulturkreis seit langer Zeit für die Finsternis, das Dunkle im Menschen und den Tod. Andererseits ist aber auch Weiß, die Farbe des Lichts, des Guten und des Lebens, symbolisch mit dem Tod verknüpft.

Bei Trauerfeiern überwiegt das Schwarz

Der Trauerexperte Klaus Dirschauer erklärt den religiösen Hintergrund: „Liturgisch steht die Farbe Weiß für die Auferstehung.“ So kommen bis heute beide Farben auf Beerdigungen zusammen. Die meisten Menschen tragen schwarze oder dunkle Anzüge und Kostüme. An die Wiedergeburt erinnern Calla, Lilien und Nelken mit weißen Blüten, die als sogenannte Totenblumen zu Gestecken gebunden werden. In Deutschland gibt es mittlerweile Internetforen, die sich mit der Bekleidung auf einer Beerdigung und der Frage auseinandersetzen, ob und wie lange man nach dem Tod eines geliebten Menschen Schwarz tragen solle.

Bettina Winter, deren Mann im Frühsommer gestorben ist, erzählt, für sie habe die Farbe über Monate zu ihrer Stimmung gepasst. Jetzt aber wolle sie kein Schwarz mehr tragen, auch wenn sie weiter mit ihrer Trauer zu kämpfen habe: „Die Farbe signalisiert zu deutlich den nicht verwundenen Verlust. Freunde und Kollegen sind in meiner Gegenwart gehemmt und bedrückt. Das möchte ich nicht. Ich will wieder am Leben teilhaben. Das ist eine schwierige Aufgabe und die Trauerkleidung würde es mir noch schwerer machen.“

Bei Trauerfeiern überwiegt immer noch eindeutig das Schwarz, bestätigt der Bestatter Christian Stubbe. Nach seiner Beobachtung ist der schwarze Anzug auf dem Friedhof jedoch längst nicht mehr die allein gültige Kleiderordnung. Die wechsle je nach Herkunft und Stand des Verstorbenen. Für ihn ist die neue „Kleiderunordnung“ mittlerweile Alltag und er kann mit dem veränderten Zeitgeist gut leben – solange die Gäste keine grellen Farben tragen.

Es darf auch mal bunt sein

Grundsätzlich gilt aber für ihn weiterhin: Auf einer Beisetzungsfeier sollte die Kleidung dunkel und zurückhaltend sein, ein schlichter Wollmantel ist angemessener als der teure Pelz. Im Zentrum steht die letzte Ehrung der verstorbenen Person, nicht die Selbstdarstellung. Bestatter Christian Stubbe beobachtet einen generellen Trend zu mehr Farben. Dies gelte besonders für eine Berufsgruppe: „Wenn Sie Lehrer haben, dann wird’s bunt.“

Wenn eine in fröhlichen Farben gekleidete Menschentraube um das Grab herumsteht, spreche häufig ein offensichtlich nicht kirchlicher Redner die letzten Worte, berichtet Stubbe. In dieser Farbigkeit kommt zum Ausdruck, dass bei einer Beerdigung auch das Leben gefeiert werden sollte. Die Trauerfeier ist dann immer noch ein Abschied, aber sie ist auch ein Gedenken an gelebte Jahre.

Auf dem Lande gelten außerdem bis heute in bestimmten Fällen andere Regeln. Auf einer Beerdigung eines passionierten Jägers ist es nicht unüblich, wenn die Freunde aus dem Verein in ihrer Jägertracht am Grab stehen. Selbst der „Knigge“ ist heute nicht mehr ganz rigoros, wenn es um die Kleiderordnung bei einer Trauerfeier geht: „Die Bekleidung hat für Herren und Damen gleichermaßen zwar nicht unbedingt schwarz, aber doch sehr dunkel zu sein“, heißt es im Online-Portal für Stil- und Etikettefragen, knigge.de.

„Das Hemd beziehungsweise die Bluse ist auf jeden Fall weiß und die Krawatte schwarz, ebenso Strümpfe und Schuhe. Kurze Ärmel und unbekleidete Beine sind stillos, ebenso auffälliger schriller Schmuck.“ Wer sich daran hält, ist zumindest auf der sicheren Seite.

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