Zeitung Heute : Traumkurs für Skater

Der knapp 100 Kilometer lange Fläming-Skate ist europaweit der längste Inliner-Rundweg

Marion Hartig

Es klingt wie Musik in den Ohren von Skatern: feinster Asphalt (0,5er Körnung), drei Meter breit, 94,4 Kilometer lang – der Fläming-Skate-Rundweg ist das, was sich gewöhnlich unerwünschte, von Bürgersteigen, Radwegen und Straßen vertriebene Inline-Fahrer in ihren kühnsten Träumen erhofft haben. Nun wird ihnen im Fläming die Gelegenheit geboten, auf ebenen, glatten und dazu noch landschaftlich schönen und kulturell attraktiven Wegen so richtig Gas zu geben. Kein lästiges Hin- und Zurückfahren auf stupiden Teerbahnen irgendwo am Stadtrand mehr, sondern eine herausfordernde Tour, deren Start, Zwischenstopps und Ende man selbst bestimmt. Einfach ankommen, mit der Bahn oder dem Auto, die Räder unterschnallen und los geht’s.

Zuerst hatten die Tourismusexperten aus dem Fläming nur vor, Radfahren in der Region attraktiver zu machen, erzählt Traugott Heinemann-Grüder vom Tourismusverband Teltow-Fläming. Ihm gegenüber sitzt Erik Scheidler von der Fläming-Skate GmbH. Er ist der Bau-Fachmann des Rundwegs. Heinemann-Grüders Büro liegt in Luckenwalde, der Stadt, die sich als nördliches Tor zum Fläming-Skate vermarktet: Schon am Bahnhof werben große Plakate mit dem Rundweg. Moderne Schilder in der Unterführung lotsen Anreisende durch das marode Gebäude zur Strecke. Verirren ist unmöglich.

Als die Tourismusexperten Mitte der 90er Jahre noch planten, die überregionalen Radwege im südlichen Fläming zu verknüpfen, entdeckten sie ganz plötzlich eine Marktlücke, die bis dahin bundesweit noch nicht geschlossen war: Einen Rundweg für Skater, eine Strecke durch die Natur, mit den schönsten Sehenswürdigkeiten des Flämings links und rechts der Bahn: Kloster Zinna, die historische Innenstadt von Jüterbog, das literarische Schloss Wiepersdorf, die anarchische Luckenwalder Stadtarchitektur, Schloss Stolpe. Wo sonst lässt sich ein solches Projekt besser umsetzen, als im ebenen Fläming, dachten sich die Tourismusplaner.

Die Wirklichkeit hat die Idee mittlerweile eingeholt. Im Jahr 2000 wurden erste Teile der Strecke genutzt. Zwei Jahre später war der große Rundkurs fertig, und in diesen haben sich inzwischen drei kleinere Strecken eingefügt. Nicht immer allerdings haben die Wege das Idealmaß von drei Metern Breite. Wenn sie durch Ortschaften führen, sind sie schmaler, an wenigen Teilstrecken sind sie zwei Meter breit. Es gibt viel Natur, dichte Nadelwälder, Felder, Wiesen, freie Blicke in die Landschaft. Denn die Bahnbauer setzten ihre Strecke auf ungenutzte Forst-, Landwirtschafts- oder Waldwege. Auch vergessene Ortsverbindungsstraßen haben sie mit glattem Asphalt überzogen.

Am besten mit Rückenwind

Die knapp 100 Kilometer lange Fläming-Skate führt über Luckenwalde, Jüterbog, Wiepersdorf und Petkus. Ein kleinerer, zwölf Kilometer langer Rundweg durchstreift das Nuthe-Urstromtal um Luckenwalde. Auf einer Elf-Kilometer-Tour nahe Jüterbog kommt man am Kloster Zinna vorbei. Der Rundkurs führt auf 10,4 Kilometern durch die Natur. Am besten fährt man die Strecken gegen den Uhrzeigersinn. So hat man meistens Rückenwind. Denn der Wind kommt im Fläming gewöhnlich aus dem Westen, erklärt Scheidler. Für Einsteiger sind die kurzen Rundwege die bessere Wahl. Wer die lange Strecke fahren will, sollte schon etwas Übung mitbringen, auch wenn er in mehreren Etappen fährt, rät Heinemann-Grüder. Profis, schätzt der Tourismus-Mann, können die Tour in rund drei Stunden schaffen. Eine Rennstrecke aber, betont er, sei der Rundweg nicht. „Man muss das Tempo immer wieder drosseln, denn es gibt Kurven, Gegenverkehr und oder ein paar, allerdings nur wenige Straßenkreuzungen.“

Drei goldene Regeln gelten für den Skaterverkehr. Der Fahrer soll immer Schutzausrüstung, vor allem einen Helm tragen, vorausschauend fahren und im Zweifelsfall anderen die Vorfahrt lassen. Die Sicherheit der Skater-Strecke hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, erzählt Scheidler. Gefahrenzonen, leicht abschüssige Wege, Kurven, deren Ende man beim Hineinfahren nicht einsehen kann und kreuzende Straßen habe man pedantisch genau beschildert. Sogar Strohballen wurden an besonders schwierigen Kurven zum sanften Auffangen der Skater aufgebaut. Nur an drei Stellen gebe es auf den 94,4 Kilometern leichtes Gefälle, aber auch hier würden die Fahrer frühzeitig gewarnt. Die Unfallgefahr sei sehr gering. Gras und Felder liegen rechts und links des Weges, da gebe es bei leichten Stürzen nicht einmal Schrammen. In unregelmäßigen Abständen gehen ehrenamtliche „Saniskater“ vom Deutschen Roten Kreuz auf Kontrollfahrt. Sie leisten Erste Hilfe und wenn nötig, alarmieren sie die Rettungsstelle.

Im Fläming rollen die Skater-Gäste nicht nur nahezu reibungslos und sicher über feinen Asphalt, sie werden auch rundum touristisch umsorgt. Örtliche Sporthändler verleihen Skates und Ausrüstung und haben Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Programm. Der Tourismusverband bietet geführte Touren mit kulturellen Höhepunkten am Rand des Weges an. Skaterfreundliche Hotels, Restaurants und Eiscafés liegen am Weg. Sogar ein „Skater-Rufbus“ fährt in der Saison auf Abruf Haltestellen entlang der Strecke an. Zum Beispiel, um Fahrer mit müden Beinen zu der Stelle zu bringen, an der sie ihr Auto geparkt haben. Auch Parkplätze gibt es für die willkommenen Skater-Gäste an der Strecke zur Genüge.

Infos: www.flaeming-skate.de; Tourismusverband Teltow-Fläming, Zinnaer Straße 34, 14943 Luckenwalde, Tel.: 033 71 / 64 35 48.

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