Zeitung Heute : Trio mit vier Nähmaschinen

Die drei Frauen von Majaco machen ihre Mode ab jetzt im eigenen Laden

Dagny Lüdemann

Wenn man „Majaco“ googelt, kommen seitenweise Forstmaschinen heraus. Bullige Bagger und kantige Kräne aus Kanada – also eher etwas für harte Holzfällertypen. Majaco? Klingt ja auch ein bisschen nach Macho. Hier in Berlin steht das Label so ziemlich für das Gegenteil – nämlich für filigrane Mode für Frauen, die lieber weiblich und elegant als lässig und cool sein wollen.

Der Name der Nutzfahrzeugfirma wurde zufällig noch einmal erfunden, als Phantasiegespinst der Designerinnen Meike Demski, Anna Franke, Janine Weber und Anne-Katrin Uhsemann – alle knapp unter 30 und Absolventinnen der FHTW. Schon mit ihrer ersten Kollektion, die passend „Debüt“ hieß, starteten die vier Freundinnen von Majaco im Sommer 2005 sensationell durch. Galéries Lafayette nahm Teile der Kollektion ins Sortiment und die Frauenzeitschrift Petra kürte sie zu den Newcomern des Jahres.

Seither ist viel passiert: Anne-Katrin hat ein Kind bekommen und musste aussteigen: „Als allein erziehende Mutter kann ich mich nicht gleichzeitig selbstständig machen“, sagt sie.

Die anderen drei haben ihre Ersparnisse aus diversen Nebenjobs – Janine ist früher sogar Taxi gefahren – zusammengelegt, dazu einen Kredit aufgenommen und am 26. November ihren eigenen Laden eröffnet, in der Fehrbelliner Straße beim Park am Weinberg. Dort sind sie glücklich. Ihr Atelier haben sie gleich mitgebracht – jetzt wird direkt neben dem Verkaufsraum geschneidert. „Vorher saßen wir in einem dunklen Hinterhof in Prenzlauer Berg“, sagt Meike.

„Die Musterkollektionen machen wir selbst – der Rest wird in Chemnitz produziert“, erzählt Anna. Majaco verarbeitet fast nur Naturstoffe wie Wolle, Baumwolle und Seide, aus Deutschland, Frankreich, Italien oder Indien.

Vom eigenen Geschäft erhoffen sich die Designerinnen mehr Präsenz, engeren Kontakt zu den Kundinnen und kontinuierlichere Umsätze. „Auf den internationalen Messen verkauft man ja immer nur in Schüben“, sagt Meike.

Die aktuelle Winterkollektion besticht durch klassisch geschnittene Kleider, Röcke, Mäntel und Kostüme in Braun, Beige, Rost, Schwarz und Rot. Taschen und Gürtel aus Aalhaut vom Designerduo Becksöndergaard, zwei Frauen aus Kopenhagen, komplettieren das Sortiment. Das passt perfekt, denn die Fischtaschen sind klassisch, elegant und durch das besondere Material außergewöhnlich – genau wie die Kleider von Majaco.

Aber können drei junge Frauen von einem Label leben? Dann müssten sie ja drei Mal so viel verkaufen wie andere Designer? Meike: „Davon sind wir weit entfernt.“ Sie alle haben immer noch Nebenjobs, und in jeder freien Minute sind sie im Laden. Fest verknüpft, auftrennen ausgeschlossen. „Es ist klar, dass jetzt keine von uns aussteigen kann“, sagt Meike.

„Faun“ heißt die märchenhafte Winterkollektion 2005/06. In Anlehnung an den mythologischen Wolfsgott, Beschützer der Bauern und Hirten. Und wer das googelt, landet wieder zuerst bei klotzigen Kränen! Diesmal aus Deutschland. Zufall? Wenn ja, ein sinnbildlicher: Denn Berlin ist modisch immer noch eine Großbaustelle – und als kleines Label von hier aus international expandieren zu wollen, ein gewagtes Projekt. Majaco will das. Könnte gut sein, dass das Trio sich durchboxt. Das Konzept wirkt jedenfalls zeitlos, dabei absolut nicht spießig und besticht durch Qualität.

Majaco, Fehrbelliner Str. 24, Mitte.

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