Zeitung Heute : Trip an den Rand des Weltalls

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Dass sich auf der Internationalen Raumstation noch nicht mehr Touristen als Wissenschaftsastronauten tummeln, liegt inzwischen weniger an den Möglichkeiten des Space-Tourismus als an den Kosten. Während die Amerikaner die Beförderung von Privatpersonen mit ihrem Space Shuttle strikt ablehnen, haben die an Devisen interessierten Russen für jeweils 20 Millionen US-Dollar bereits zwei steinreichen Kunden die Ferien im All ermöglicht. Weitere Buchungen werden von der US-Firma Space Adventures gern entgegen genommen. Weil die Urlaubskassen der meisten Interessenten doch nicht so prall gefüllt sind, hält sich die Nachfrage bisher allerdings in Grenzen. In zwei bis drei Jahren soll es deshalb eine billigere Möglichkeit geben, arbeitet man doch in Russland an einer Art "Weltraum-Volkswagen".

"Cosmopolis C-XXI" heißt die Mini-Raumfähre für einen Piloten und zwei Passagiere, von der ein Modell in Originalgröße kürzlich auf dem Forschungsflughafen Schukowsky bei Moskau vorgestellt wurde. Gebaut wird der nur zwei Tonnen schwere Shuttle vom Konstruktionsbüro Myasischtschew, das auch schon die Raumfähre "Buran" entwickelte, in Kooperation mit den Firmen Suborbital Corporation und Space Adventures. Chefkonstrukteur Waleri Nowikow bezeichnete die C-XXI als Vorläufer einer Generation von billigeren, zuverlässigeren und wieder verwendbaren Raumfahrzeugen.

So soll der Kurztrip ins All ablaufen: Auf den Rücken eines M-55X-Forschungsflugzeuges wird die "Cosmopolis" auf eine Höhe von 17 Kilometern geschleppt. Nach der Trennung von der Trägermaschine zündet der eigene Raketenmotor und katapultiert die C-XXI in einer parabolförmigen Flugbahn auf 101 Kilometer an den Rand des Weltalls. Das ist zwar nur ein knappes Drittel der Erdentfernung der Internationalen Raumstation, doch für kurze Zeit genießen die Passagiere das Gefühl der Schwerelosigkeit und den Blick auf die Erde. Nach drei Minuten ist alles vorbei. Bereits 20 Minuten später landet der Raumgleiter wie ein Flugzeug wieder an seinem Ausgangsflughafen.

Drei Minuten schwerelos

Dafür ist der Kurztrip ins All zum "Schnäppchenpreis" von nur 98 000 Dollar zu haben, 4000 Dollar kostet die Reise-Rücktrittsversicherung. Im Preis inbegriffen ist ein viertägiger Vorbereitungskurs einschließlich Training in der Zentrifuge, Parabelflug zur Simulation der Schwerelosigkeit in einer vierstrahligen IL-76 und Höhenflug in einem Düsenjäger.

Gegen eine Anzahlung von 6000 Dollar kann man sich bei Space Adventures ein Ticket sichern. Wer zu den ersten Touristen am Rande des Weltalls zählen möchte, sollte sich beeilen, mehr als 100 Interessenten haben den Flug mit der C-XXI bereits gebucht, so Alfred Moosreiner, der den Veranstalter mit seiner Berliner Sea & Space GmbH vertritt. Sollte das Projekt nicht realisiert werden, gebe es eine Geld-zurück-Garantie.

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA, die kürzlich in Schönefeld stattfand, hat sich rund ein Dutzend Interessenten in eine Vormerkliste eingetragen. Auch zwei Berliner haben bereits ihr Interesse bekundet, aber noch nicht fest gebucht, berichtet Moosreiner, der eine steigende Nachfrage verzeichnet. "Die suborbitalen Flüge sind ein Zentralpunkt der Weltraumtourismusindustrie", so der Präsident von Space Adventures, Eric Anderson.

"Wenn es einmal mehrere der kleinen Shuttles gibt, wird der Preis sicher günstiger", tröstet Moosreiner all diejenigen, für die die Raumfahrt auch zu diesen Tarifen unerschwinglich bleibt. Wer so lange nicht auf fliegerischen Nervenkitzel verzichten möchte, kann für Tarife zwischen 2744 und 12 899 Dollar (Preise ab Moskau inklusive zwei Hotelübernachtungen) einen halbstündigen Flug auf einem russischen Düsenjäger oder ab 4213 Dollar einen Parabelflug buchen. RAINER W.

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