Zeitung Heute : Trocken gelegte Bäder sollen verkauft werden

Der Tagesspiegel

Von Annekatrin Looss

Rund 1,9 Millionen Euro wollen die Berliner Bäderbetriebe durch die Schließung von 10 Hallenbädern und des Sommerbades Poststadion sparen. Rund 100 Mitarbeiter sind von den Schließungen betroffen. Sie sollen zunächst auf die anderen Bäder in der Stadt verteilt werden. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Sportsenator Klaus Böger (SPD) aus. „Zunächst werden wir die Mitarbeiter auf die Freibäder verteilen“, sagt der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, Manfred Radermacher. Dadurch würden Ausgaben für saisonale Arbeitskräfte gespart. Bislang stellten die Bäderbetriebe jeden Sommer zwischen 150 und 200 Saisonarbeiter ein. Ein ernsthafter Personalüberhang sei erst zu erwarten, wenn am Ende des Jahres auch das SEZ mit 134 Mitarbeitern dichtmachen müsse, so Radermacher.

Was mit den geschlossen Schwimmhallen geschieht, ist dagegen noch offen. Fest stehe zur Zeit nur, dass sie nicht an die Bezirke zurückübertragen werden, sagte der Sprecher der Senatssportverwaltung, Thomas John. Mit der Schließung gehen die Hallen von den Bäderbetrieben an das Land Berlin über. Anders als bei bisherigen Schließungen sind somit nicht mehr die Bäderbetriebe für die Gewährleistung der Verkehrssicherungspflicht oder für die Erfüllung des Denkmalschutzes bei besonders alten Bädern, wie den Stadtbädern Steglitz und Kreuzberg, verantwortlich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Hallen in den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin übertragen und zum Verkauf freigegeben. Noch habe sich laut John allerdings kein potenzieller Investor gemeldet.

Zahlreiche Vereine protestieren gegen die Bäderschließungen. Besonders deutlich wurde der Ärger in Moabit, wo ein Verein 750 Unterschriften gegen die Schließung des Sommerbades Poststadion sammelte. Auch die Pankower CDU hat Protest gegen die Schließung der Schwimmhalle in der Wolfshagener Straße angekündigt. Sie werde weder Bezirksamt noch Senat aus der Pflicht entlassen, dieses Bad zu sanieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

Radermacher dagegen sieht Vereine und private Investoren in der Verantwortung für die Rettung der Bäder. So könnte das Moabiter Sommerbad nach dem Vorbild des Bades am Humboldthain weiterbetrieben werden. Für das vergangene Jahr übernahm der Gastronom und Chef einer Reinigungsfirma Jürgen Strahl das Sommerbad im Wedding. Die Bäderbetriebe zahlten dort lediglich die Kosten für Wasseraufbereitung, Gartenpflege und Versicherung. Als vorbildlich bezeichnete Radermacher auch das Engagement der Wasserfreunde Spandau 04, die mit der Investition von 50 000 Euro die Stilllegung des Forumbades am Olympiastadion verhindert haben. Knapp 35 Millionen Mark brachte die Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße zur Sanierung des Jugendstilbades in Prenzlauer Berg auf. 2005 soll es wieder öffnen.

Ob dies bei den zu schließenden Hallenbädern gelingen kann, ist fraglich. Schließlich handelt es sich dabei nicht um die Sahnestücke unter den Berliner Schwimmhallen. Die Entscheidung, welche Bäder geschlossen werden, wurde aufgrund von drei Kriterien gefällt. Geöffnet bleiben die Bäder, in die weniger als eine Million Euro investiert werden muss. Gleichzeitig müssen in den vergangenen fünf Jahren mindestens 200 000 Euro investiert worden sein. Außerdem wurde die regionale Versorgung der Schulen und Sportvereine bei den Schließungen berücksichtigt.

Mehr als eine Million Euro für die Instandsetzung einer Schwimmhalle – für viele private Vereine eine unüberwindbare Hürde. Groß ist dagegen die Nachfrage nach den zur Pacht ausgeschriebenen Freibädern. Rund 30 private Schwimmvereine bewarben sich bis zum Bewerbungsschluss am vergangenen Mittwoch um die ausgeschriebenen zwölf Bäder. Nun werde man zügig die Konzepte prüfen, das Auswahlverfahren einleiten und Pachtverträge ausarbeiten, damit die Freibäder pünktlich zum Beginn des Sommers wieder eröffnen können, erklärt Radermacher.

Der Personalrat der Berliner Bäderbetriebe ruft wegen der Schließungen kommende Woche zu zwei außerordentlichen Personalversammlungen auf. Deshalb bleibt am Montag das SEZ von 9 bis 12 Uhr geschlossen. Am Dienstag von 14 bis etwa 19 Uhr wird der Betrieb in folgenden Bädern eingestellt: Stadtbad Steglitz, Wedding, Kreuzberg und Zehlendorf, Schwimmhalle Cité Foch, Hallenbad Adlershof, Schwimmhalle Rudolf-Seiffert-Straße und Schwimmhalle Sportforum Hohenschönhausen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben