Zeitung Heute : Trockenes Wohnzimmer auf dem Nassen

Barrierefreie Boote ermöglichen auch Menschen mit einem Handikap den Einstig in den Wassersport

Stefan Gerhard

Auf den ersten Blick wirken die US-amerikanischen Pontonboote etwas gewöhnungsbedürftig, da sie doch so gar nichts der für Europäer so typischen Bootsformen haben. Mancher, der vor einer Harris Sunliner steht, fragt sich, wie so ein rechteckiges Gefährt, das zunächst eher an einen Schuhkarton als an ein Boot erinnert, sich übers Wasser bewegt.

Solche Skepsis, weiß Andrea Burchardi von der Potsdamer Marina am Tiefen See, „schlägt schnell in Sympathie um“, wenn es das erste Mal auf dem rundum umzäunten Aluminium-Doppelrumpfboot über den See geht. Die Rümpfe gleiten reibungs- und fast lautlos durchs Wasser. Der Außenbordmotor des mit dem CE-Zeichen versehenen Boots sitzt in einem schallisolierten Gehäuse unter der großzügigen Sonnenliege und ist dadurch sehr leise. Je nach Motorisierung mit 50 bis 115 PS Leistung erreichen die US-Pontonboote dabei zwischen 25 und 70 km/h Maximalgeschwindigkeit.

Auf dicken Polstersofas sitzt es sich an Bord wie im Wohnzimmer, wobei das klappbare Bimini-Top vor Sonne schützt. Vorn und achtern können Tische montiert werden, auf denen bei Wellengang das Weinglas stehen bleibt. Da Stufen und Stolperkanten fehlen, ist das mit breiten Einstiegen versehene Boot auch für Rollstuhlfahrer geeignet.

Die 5,50 Meter (neun Sitzplätze) bis 7,60 Meter langen Pontonboote für maximal 16 Personen sind mit 700 und 1500 Kilogramm Gewicht trailerbar. In der Standardausführung sind die Boote der Serie Harris Sunliner für etwas mehr als 20 000 Euro zu haben. Für besonders luxuriöse Ausführungen lässt sich aber auch gut das Doppelte anlegen.

Komplett anders sehen die Wasserfahrzeuge des Schönwalder Unternehmens Alufun aus, das sich – am Stadtrand von Berlin gelegen – auf den Bau von Aluminiumbooten spezialisiert hat. Zur Produktpalette gehören Rettungs- und Arbeitsboote mit Flachrumpf sowie Ruder-, Angel- und mit der CE-Kategorie C zertifizierte Motorboote für Fischer. Eine besondere Spezialität von Alufun sind aber Plattformboote und Motorkatamarane bis zwölf Meter Länge, die als Ausflugsboote, Arbeitsplattformen und auch als Bootsstege eingesetzt werden.

Die Abnehmer der Boote sind nicht nur Hobby- und Freizeitfahrer, sondern kommen bisher meistenteils aus dem Profibereich. Bei Hilfsorganisationen wie der Wasserwacht, dem Roten Kreuz, der DLRG oder dem Technischen Hilfswerk THW sind die Alufun-Boote ebenso im Einsatz wie bei Charterunternehmen und Hotels.

Alufun bedient damit den neuen Markt, der in letzter Zeit für Motorkatamarane entstanden ist, die aufgrund ihrer Ponton-Bauweise vielfältig einsetzbar sind: als Ausflugsboot oder Beobachtungsstation, als Partydampfer, Sonneninsel oder mobiler Badesteg auf dem Wasser. Geschäftsführer Friedel Hinderberger bringt bei der Fertigung seine Erfahrung aus dem Flugzeug- und Fahrzeugbau ein. Als nächster Schritt sind Großplattformen bis zu zwölf Metern Länge geplant, auf die Wohnwagen gestellt werden können, um so als mobiles Hausboot zu dienen.

Der aus seewasserfestem Aluminium gefertigte Motorkatamaran ist auch zu Lande sehr praktisch im Handling: Das mit der CE-Kategorie D versehene Fahrzeug ist zerlegbar, was die Winterlagerung und den Transport deutlich erleichtert. Wem die kühle Eleganz des Werkstoffs Aluminium nicht zusagt, kann auch eine rustikale, mit Holz beplankte Variante wählen – als schwimmende Veranda mit eigenem Antrieb.

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