Zeitung Heute : Trötende Tigerfrösche

Die Humboldt-Box lädt zu sinnlichen Begegnungen mit der Wissenschaft ein

Friederike Kitschen
Wissenschaft zum Anfassen. In der Humboldt-Box wird ab Ende Juni gezeigt, was das Humboldt-Forum auf dem Berliner Schlossplatz einmal leisten soll. Foto: Promo
Wissenschaft zum Anfassen. In der Humboldt-Box wird ab Ende Juni gezeigt, was das Humboldt-Forum auf dem Berliner Schlossplatz...

„Jeder strebsame Gelehrte ist Humboldts Sohn. Wir alle sind seine Familie“, schrieb der Berliner Physiologe Emil du Bois-Reymond vor über 100 Jahren. So gesehen wird in der Humboldt-Box, die Ende Juni auf dem Berliner Schlossplatz eröffnet werden soll, eine Art Familientreffen stattfinden. Denn das mehrstöckige Gebäude mit Aussichtsterrasse informiert nicht nur über den Bau des direkt daneben entstehenden Humboldt-Forums. Es wird auf zwei Ausstellungsetagen einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die zukünftigen Partner, die Humboldt-Universität, die Zentral- und Landesbibliothek sowie das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst, gemeinsam im Humboldt-Forum präsentieren wollen.

Hier wie dort wird die Humboldt-Universität der Forschung von Humboldts strebsamen Söhnen und natürlich auch Töchtern eine Bühne geben und ihre wissenschaftlichen Fragen und Ergebnisse für ein breites Publikum begreifbar und sinnlich erlebbar machen. In der Humboldt-Box stellt das Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik im ersten Jahr schlaglichtartig fünf aktuelle Forschungsprojekte vor, die an Berliner Wissenschaftseinrichtungen angesiedelt sind und in denen deutsche und internationale Wissenschaftler gemeinsam arbeiten.

Das Spektrum der wissenschaftlichen Präsentationen reicht vom linguistischen Dokumentationsprojekt zur „Rettung“ aussterbender Sprachen auf der Südseeinsel Ambrym, einer Kooperation der Humboldt-Universität mit dem Zentrum für allgemeine Sprachwissenschaft Berlin, bis hin zur Untersuchung der ökologischen „Serviceleistung“ westafrikanischer Frösche durch Wissenschaftler des Museums für Naturkunde Berlin im Rahmen des deutsch-afrikanischen Netzwerks Biota-Africa.

Gleich daneben wird das Botanische Museum Berlin die Artenvielfalt einer unserer ältesten Kulturpflanzen vorstellen, der Zitrusfrüchte, die entlang ihrer globalen Verbreitungswege zahlreiche Spuren in Kunst und Religion hinterlassen haben. Das Institut für chinesische Lebenswissenschaften der Charité - Universitätsmedizin Berlin zeigt, ausgehend von der wissenschaftlichen Erschließung einer philosophisch-medizinischen Schrift des zweiten Jahrhunderts, wie chinesische Heilkunde zunächst in China selbst popularisiert und schließlich hierzulande weitgehend an westliche Werte und Bedürfnisse angepasst wurde. Am Vergleich zwischen Deutschland und seiner überalternden Gesellschaft und dem westafrikanischen Mali, einem der weltweit „jüngsten“ Staaten, veranschaulicht schließlich im fünften Themenmodul der Humboldt-Universität das Internationale Geisteswissenschaftliche Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“ sein komplexes Forschungsfeld in einer multimedialen Installation mit Filmen, Fotos und Hörstationen.

So wird den Besuchern der Humboldt-Box demnächst das „Tröt, tröt“ der Tigerfrösche in den Ohren klingen, während sie, das Zitronenbonbon noch im Mund, nebenan schon versuchen, eines der faszinierenden Sandbilder aus Ambrym mit dem Finger in einem Sandfeld nachzuzeichnen. Friederike Kitschen

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