Zeitung Heute : Trotz Kritik erfolgreich - Mehr Kundenorientierung angestrebt

Dietmar Hauer

Wo immer das Stichwort "Deutsche Bahn" fällt, scheiden sich die Geister - das Spektrum reicht vom Schimpfen über Verspätungen und überfüllte Wochenendzüge bis zum Schwärmen über entspanntes Reisen im schnellen und bequemen ICE. Oft gescholten und auf Grund der noch lange nicht abgeschlossenen Bahnreform immer im Gespräch, ist die Deutsche Bahn fester Bestandteil der deutschen Touristikbranche.

"In erster Linie müssen wir kundenfreundlicher werden", gesteht Martin Katz, Sprecher des Fernverkehrs-Unternehmensbereichs DB Reise & Touristik, Versäumnisse der jüngsten Vergangenheit ein. Es habe Entwicklungen gegeben, die sich die Väter der Bahnreform so nicht vorgestellt hätten. "Der Kunde reist nicht mit DB Reise & Touristik oder DB Regio, er fährt Bahn", betont Katz. Eine veränderte Konzernstruktur soll nun zu mehr Übersichtlichkeit beitragen. Zwar bleiben die beiden Einzelgesellschaften für Fern- und Regionalverkehr in ihren jetzigen Strukturen erhalten, doch soll ein neuer Unternehmensbereich DB Personenverkehr das Ganze für den Kunden durchschaubarer machen. Nah- und Fernverkehr werden dadurch wieder näher zusammengeführt, ein neues Kundenservicezentrum soll die zwölf Call-Center für Kundenanfragen koordinieren.

Trotz aller Kritik war 1999 für die Bahn ein erfolgreiches Jahr. Der Umsatz bei DB Regio stieg um zwei Prozent auf 14,3 Milliarden Mark, bei DB Reise & Touristik um drei Prozent auf 8,1 Milliarden Mark. Der Gesamtumsatz des Personenverkehrs von 22,4 Milliarden Mark macht mehr als zwei Drittel des Konzernumsatzes aus. Insgesamt ist der Bahn-Personenverkehr 1999 stärker gewachsen als der Gesamtmarkt in Deutschland. Nach Bahnangaben legte der Fernverkehr um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, der Regionalverkehr um 1,8 Prozent. Dagegen wuchs der individuelle Autoverkehr lediglich um 0,6 Prozent. Die Bahn rechnet auch für das Jahr 2000 mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends. "Besonders bei Reisen zur Expo wird man nicht auf uns verzichten können", meint Katz. Um so mehr vergrämt die Bahn allerdings ihre Kunden dadurch, dass sie Sondertarife auf Zügen mit dem Ziel Hannover gestrichen hat.

Auch nach dem Verkauf des Deutschen Reisebüros (DER) 1999 wird sich die Deutsche Bahn nicht aus dem Touristikgeschäft verabschieden. "Wir konzentrieren uns auf das, was wir wirklich gut können: Eisenbahn fahren", so der Bahn-Sprecher. Man wolle sich nicht an den Konzentrationsprozessen und Lagerbildungen in der deutschen Touristikbranche beteiligen, sondern zuverlässiger Partner sein. "Wir sind Anbieter, nicht Konkurrent", betont Katz. Darüber hinaus sei die Bahn durch ihre Tochterunternehmen - den klassischen Bahnreiseveranstalter Ameropa, den DB AutoZug, die Busreiseveranstalter Deutsche Touring und BEX sowie die Bodensee-Schifffahrtsbetriebe - weiter am Markt aktiv. "Rund die Hälfte aller Bahnreisen in Deutschland haben touristischen Charakter", weiß Katz. Grund genug, eng mit der Branche zusammen zu arbeiten. Bahnangebote gibt es bundesweit in rund 4000 Reisebüros, die Bahn selbst betreibt zur Zeit 180 DB Reisebüros auf großen Bahnhöfen.

In diesem Jahr gibt es zwei neue Angebote, die Urlaubern das Bahnfahren schmackhafter machen sollen. "RailPlus macht Schluss mit der Bahn-Kleinstaaterei in Europa", so Katz. Hinter diesem Titel verbirgt sich die Erweiterung der BahnCard-Akzeptanz auf 24 europäische Länder. Für 30 Mark Aufpreis gewähren die Bahnen im benachbarten Ausland vom 28. Mai an bis zu 25 Prozent Ermäßigung in ihren Streckennetzen. Außer Italien sind alle wichtigen Reiseländer beteiligt. Erweitert wurden auch die Angebote von Surf & Rail im Internet. Auf 254 Städteverbindungen kann man dabei bis zu 60 Prozent sparen, wenn man seine Fahrten im Internet bucht und die Tickets selbst druckt. Wer keinen eigenen Internet-Zugang hat, soll bald auch über Reisebüros auf diesen Service zurück greifen können.

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