Zeitung Heute : Trübe Aussichten

Während das Berliner Baugewerbe vor dem Kollaps steht, wachsen die Umsätze in der so genannten Schattenwirtschaft

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Von Fred Winter Das Ende des Baubooms und jede Menge Schwarzarbeit: Das Berliner Baugewerbe steht vor dem Kollaps. Die Fachgemeinschaft Bau hat errechnet, dass die Arbeitslosenquote am Ende des Sommers knapp 60 Prozent erreichte.

„Nach den Sommerferien ist die Beschäftigung auf dem Bau immer nach oben gegangen“, sagt Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft, in der die zahlreichen Baugewerke vereinigt sind. „In diesem Jahr arbeiten erstmals in der Berliner Bauwirtschaft im August weniger Gewerbliche als im Juli.“

Die Hoffnungen auf einen saisonal bedingten Aufschwung sind zerronnen. Insgesamt finden noch rund 10 000 Menschen am Bau Arbeit. Zu Zeiten des Booms Mitte der neunziger Jahre waren es fünfmal so viel.

Andererseits wachsen die Umsätze – allerdings in der so genannten Schattenwirtschaft. Sehr viele arbeitslose Bauarbeiter arbeiten nebenher schwarz und machen den legalen Betrieben das Leben schwer. „Dieser Teufelskreis kann nur durchbrochen werden, wenn die Bundesregierung endlich etwas gegen die florierende Schwarzarbeit unternimmt“, fordert Wenkel.

Ein übriges tun die neuen Ich-AG’s. „Es ist oft nur die Verzweiflung der Arbeitslosen, die sie diesen Schritt in eine völlig ungewisse Zukunft gehen lässt“, kommentiert Wenkel. „Sie machen den Meisterbetrieben durch Dumpingangebote ruinöse Konkurrenz.“ Als die rot-grüne Regierung Anfang 2004 den so genannten Meisterzwang abgeschafft hatte, war die Zahl neuer Betriebe explosionsartig in die Höhe geschnellt. „Gab es zuvor in Berlin rund 240 Fliesenleger-, Plattenleger- und Mosaiklegerbetriebe, waren es Ende 2004 schon mehr als 1200“, rechnet Wenkel vor. „Ende Juli 2005 waren es sogar mehr als 1800 dieser Betriebe zwischen Spandau und Köpenick.“ Dadurch sinken sowohl die Qualität der Arbeit als auch die Preise, moniert Wenkel: „Heute darf jeder Tankwart Fliesen an die Wand kleben. Damit muss endlich Schluss sein.“

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