Zeitung Heute : Türkei droht Syrien mit Vergeltung für Anschlag Mindestens 43 Tote in der Grenzstadt Reyhanli

Nach der Explosion. In der türkischen Stadt Reyhanli in der Nähe zu Syrien nehmen Einwohner das Ausmaß der Zerstörungen in Augenschein. Foto: dpa
Nach der Explosion. In der türkischen Stadt Reyhanli in der Nähe zu Syrien nehmen Einwohner das Ausmaß der Zerstörungen in...Foto: dpa

Beim folgenschwersten Anschlag im türkischen Grenzgebiet zu Syrien seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges sind am Samstag mindestens 43 Menschen getötet und rund 140 verletzt worden. Unbekannte Täter zündeten zwei Autobomben vor dem Postamt und vor dem Rathaus der Kleinstadt Reyhanli in der südtürkischen Provinz Hatay, die nur wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt. Türkische Regierungspolitiker deuteten an, dass sie die syrische Regierung hinter der Gewalttat vermuten, und drohten mit Vergeltung.

Im vergangenen Oktober waren fünf Zivilisten beim Einschlag einer Artilleriegranate aus Syrien in einem anderen Grenzsektor ums Leben gekommen, im Februar tötete eine Bombe am Grenzübergang Cilvegözü nahe Reyhanli 17 Menschen. Doch das Blutbad vom Samstag stellt alles Vorherige in den Schatten. Die Explosionen rissen einen Krater in die Hauptstraße von Reyhanli. Fernsehbilder zeigten zerstörte Gebäude und blutüberströmte Opfer.

Von den Tätern fehlte jede Spur. Nach türkischen Medienberichten fanden Bergungsteams an einem zur Autobombe umfunktionierten Fahrzeug eine stark verkohlte Leiche, die mit einem Draht an den Wagen gefesselt war. In der Nähe von Hatay befindet sich ein großes Flüchtlingslager für Syrer. Insgesamt leben nach Angaben der Regierung in Ankara rund 30 000 syrische Flüchtlinge in der Gegend, rund zehn Prozent der Gesamtzahl der Flüchtlinge aus dem Nachbarland, die in der Türkei Schutz gefunden haben.

„Die Leute und die Organisation dahinter sind identifiziert“, sagte der türkische Innenminister Muammer Güler laut der Webseite des Fernsehsenders TRT mit Blick auf die Autobomben-Anschläge. „Es ist erwiesen, dass sie Verbindungen zu Organisationen haben, die vom syrischen Regime und seinen Geheimdiensten unterstützt werden.“ Vize-Regierungschef Besir Atalay sagte demnach, die Attentäter seien für die Anschläge nicht direkt aus Syrien gekommen, sondern hätten sich schon in der Türkei befunden.

Erdogans Stellvertreter Bülent Arinc drohte in einer ersten Stellungnahme mit Vergeltung. Sollte es sich herausstellen, dass Syrien hinter dem Blutvergießen in Reyhanli stecke, dann werde „das Notwendige getan“, sagte Arinc. „Gott möge die Schuldigen bestrafen“, fügte er hinzu.

Der Ministerpräsident selbst äußerte sich zurückhaltender. Mit Blick auf die derzeit laufenden Verhandlungen zur Beendigung des Kurdenkonfliktes sagte Erdogan, möglicherweise gebe es Kräfte, die sich nicht damit abfinden wollten, dass im Land Frieden einkehre. Denkbar sei auch, dass Spannungen zwischen Türken und Syrern in Hatay eine Rolle gespielt hätten. Der Regierungschef warnte vor voreiligen Schlüssen. „Wir bleiben ruhig“, sagte Erdogan.

Wegen unterschiedlicher Ansichten wird eine von den USA und Russland angeregte Syrienkonferenz indes nach Angaben aus Moskau nicht mehr im Mai stattfinden. Es gebe bislang keine Einigung zwischen Russland und dem Westen über das Format und die Teilnehmer, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Regierungskreise. mit dpa/AFP

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