TÜRKISCHE KUNST„Istanbul Next Wave“ : Der Koran kann warten

Nicola Kuhn

Spätestens seitdem die Istanbul-Biennale in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen hat, richten sich die Blicke des internationalen Publikums zunehmend auf die Szene der türkischen Kapitale. Wer je dort gewesen ist, um sich in den Museen, Galerien, Ateliers umzuschauen, kehrt schwärmend über die Vitalität der Stadt wieder zurück. Viele der dort arbeitenden Künstler bewegen sich längst auf dem internationalen Parkett. Auch in Berlin sind sie zunehmend präsent, nicht zuletzt durch den von René Block gegründeten Ausstellungsort Tanit, der sich auf Kunst aus der Türkei spezialisiert hat.

Nun, zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Istanbul-Berlin, kommen die Künstler mit aller Macht. Unter dem Titel „Istanbul Next Wave“ zeigen die Akademie der Künste an ihren beiden Standorten sowie der Martin-Gropius-Bau fast hundert Positionen, bei denen der Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart geschlagen wird. Der  Martin-Gropius-Bau zeigt aus den Beständen des Museums Istanbul Modern 80 Werke, welche die Stationen der türkischen Moderne dokumentieren. Die Kuratorin Beral Madra widmet sich in den Ausstellungshallen der Akademie am Pariser Platz unter dem Titel „Boden unter meinen Füßen, nicht den Himmel“ den Künstlerinnen. Der Titel zitiert einen Slogan der türkischen Frauenbewegung, die nicht länger von den Männern den Himmel zu Füßen gelegt bekommen wollte, wie es im Koran versprochen wird. In der Akademie am Hanseatenweg werden politische Positionen gezeigt, denn schon immer haben sich türkische Künstler mit staatlichen Repressionen kritisch auseinandergesetzt. Nicola Kuhn

Martin-Gropius-Bau, Do 12.11. bis So 17.1., Mi-Mo 10-20 Uhr, 6/4 €, Akademie der Künste, Pariser Pl., bis So 3.1., Hanseatenweg, bis So 17. 1., Di-So 11-20 Uhr

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!