Zeitung Heute : Türkischer Premier Erdogan wirft Israel „Staatsterror“ vor

Istanbul/Ankara - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Spannungen zwischen der Türkei und Israel weiter angefacht. Nach der Ausweisung des israelischen Botschafters am vergangenen Freitag kündigte er am Dienstag weitere Schritte gegen den bisherigen Verbündeten an. Erdogan nannte Israel am Dienstag ein „ungezogenes Kind“, das „Staatsterror“ betreibe. Die militärischen, verteidigungspolitischen und handelspolitischen Beziehungen mit Israel würden deshalb auf Eis gelegt. Der türkische Nachrichtensender NTV berichtete allerdings, die Erklärung zu den Handelsbeziehungen sei von Erdogans Büro umgehend korrigiert worden. Grund für die Eskalation ist die Weigerung Israels, sich für den Tod von neun türkischen Aktivisten beim Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte im Mai vergangenen Jahres zu entschuldigen.

Erdogan erneuerte auch die Warnung vor einer militärischen Konfrontation zwischen Türken und Israelis. Türkische Kriegsschiffe würden ab sofort sehr viel häufiger im östlichen Mittelmeer patrouillieren, sagte er. Im Rahmen eines Besuches in Ägypten kommende Woche erwägt Erdogan zudem einen Abstecher in den Gaza-Streifen.

Grund für die Krise ist ein UN-Bericht zur Erstürmung des türkischen Schiffs „Mavi Marmara“ im Mai 2010 durch israelische Soldaten, bei der neun türkische Aktivisten getötet wurden. Der Einsatz wird in dem UN-Bericht als „exzessiv“ und „unverhältnismäßig“ kritisiert. Zugleich wird die Seeblockade des Gazastreifens durch Israel aber als legal bewertet. Ankara verlangt eine Entschuldigung für den Vorfall und hat die Veröffentlichung des Berichts als letzte Chance dazu bezeichnet. Inzwischen hat der Streit auch Auswirkungen auf den Reiseverkehr zwischen beiden Staaten. Touristen beider Seiten beklagen Schikanen und Demütigungen an den Flughäfen. güs/dpa/AFP

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