Zeitung Heute : Tütensuppe mit teurem Nachschlag

Der Tagesspiegel

Es war der Kummer nach dem Tod einer guten Freundin, der die Rentnerin auf die Anklagebank brachte. Um ihn loszuwerden, war sie im November vergangenen Jahres in einen Supermarkt gegangen. Vor den Augen des Ladendetektivs steckte sie sechs Tütensuppen und eine Flasche Ketchup ein. „Es war ein richtiger Befreiungsschlag“, sagte die 71-jährige Steglitzerin gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten und weinte. Der Fall an sich war zwar schlicht, die Sache insgesamt aber für Frieda K. brisant. Sie ist einschlägig vorbestraft. Bei dem Diebstahl befanden sich bereits 16 Eintragungen in ihrem Strafregister. „Immer wenn ich im Stress bin, mache ich so etwas“, sagte die Rentnerin nun und ließ den Kopf hängen. Sie habe bei ihren krummen Touren nie darauf geachtet, ob der Moment günstig und sie unbeobachtet ist: „Wenn ich was nahm, bin ich immer erwischt worden.“

Das Leben hat es nicht immer gut gemeint mit der ehemaligen Verkäuferin. „Sie ist einsam, entfremdet von ihrem Ehemann“, sagte ihre Rechtsanwältin. Ihr Mann hat für ein Haus gesorgt, ihre Rente bessert er monatlich mit einem Kostgeld auf. Aber er ist oft unterwegs, die beiden Söhne sind längst aus dem Haus. „Kein Mensch in der Familie weiß, was mit der Mutter los ist“, meinte die Anwältin. Frieda K. hat in früheren Prozessen schon oft gehört, dass sie sich Hilfe suchen muss. Die Suppe, die sich die Rentnerin einbrockte, kam sie teuer zu stehen. Die Richterin verhängte 1250 Euro Geldstrafe. K.G.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben