Zeitung Heute : TURBO-RENDITEN

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Wer wäre nicht gern Millionär? Im Jahr 2000 konnte man es an der Börse werden. 6000 D-Mark beim Börsengang auf die Medienfirma EM.TV gesetzt – und zwei Jahre später war eine Million daraus geworden. Kursanstieg: 15 000 Prozent – auf dem Papier. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. Für die meisten Anleger am Neuen Markt wurde nichts aus dem schnellen Reichtum. Sind solche fünfstelligen Renditen heute noch möglich?

Immerhin: Am Freitag konnte man zum Beispiel mit einer so genannten Turbo-Put-Option auf den Euro-Bund-Future, Fälligkeit September 2006, einen Multiplikator von gut 400 einschalten. Das heißt: Das dem Optionsschein zugrunde liegende Bundespapier hätte nur um einen Punkt steigen müssen und der Wert des Scheins wäre um das 400-fache explodiert. Hebel-Produkte nennt man solche Konstruktionen. Einige Hundert davon werden gehandelt, ständig kommen neue auf den Markt. Der Erfindungsreichtum der Banken ist unerschöpflich. Das Risiko aber, dass aus dem Riesengewinn ein Riesenverlust wird, muss der Käufer einkalkulieren. Hier liegt das Limit der Turbo-Renditen: Sie sind nur vorstellbar, wenn der Investor bereit ist, ein extra großes Risiko einzugehen. Und manche Risiken sind so groß, dass sie kein noch so extremer Investor in Kauf nimmt. Dennoch wächst die Zahl der Mutigen, die immer größere Mengen Kapital anlegen – und immer höhere Renditen erwarten. Hedge-Fonds oder andere institutionelle Anleger sind in der Lage, Risiken zu streuen und zu steuern. Ihr Renditehunger ist groß. Und er lässt sich stillen – wenn auch nicht mit 15 000 Prozent. mot

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