TV-Duelle : Direkt zum Volk

In den USA haben politische TV-Duelle bereits eine lange Tradition und gelten als mitentscheidend für den Wahlausgang. Wie sind frühere Fernsehdiskussionen abgelaufen und welche Fehler wurden gemacht?

Juliane Schäuble

Das allererste TV-Duell bestritten der republikanische Vizepräsident Richard Nixon und der Demokrat John F. Kennedy. Es war eines von vier einstündigen Aufeinandertreffen der beiden. Für Nixon verlief die Debatte am 26. September 1960 in einem Studio des Senders CBS in Chicago denkbar schlecht. Trotz seiner Favoritenrolle enttäuschte er, verlor den Wettstreit und später dann die Wahl. Als einer seiner Hauptfehler gilt heute, dass er sich Kennedy zuwandte, als wollte er um dessen Zustimmung werben, während dieser die Fernsehzuschauer direkt ansprach und in die Kamera blickte.

16 Jahre dauerte es danach, bis mit Gerald Ford und Jimmy Carter wieder zwei Präsidentschaftskandidaten den Mut zu einem TV-Duell fanden. Seitdem finden Fernsehdebatten der jeweiligen Spitzenkandidaten in den USA regelmäßig statt – Ausreden werden nicht mehr akzeptiert. Manchmal darf auch noch ein dritter, unabhängiger Kandidat teilnehmen, zuletzt Ross Perot im Jahr 1992.

In Deutschland hat es etwas gedauert, bis sich dieses spezielle Format etablierte. Vor der Bundestagswahl 1969 forderte der SPD-Kandidat Willy Brandt Amtsinhaber Kurt Georg Kiesinger (CDU) vergeblich zu einem Fernsehduell nach amerikanischem Vorbild heraus. Bei der nächsten Wahl war es Brandt, mittlerweile Kanzler, der ein direktes Aufeinandertreffen im Fernsehen nur mit seinem Herausforderer Rainer Barzel (CDU) ablehnte. Seine Begründung: Es ginge nicht um eine Kanzler-, sondern um eine Bundestagswahl. Allerdings gab es zwischen 1972 und 1987 die „Elefantenrunden“, an denen Spitzenpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien teilnahmen.

Am 25. August 2002 war es dann soweit. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) trafen beim ersten TV-Duell der Bundesrepublik aufeinander. Die Regeln waren vorab wie in den USA genau festgelegt worden, RTL und Sat 1 übertrugen. Beide hatten für jede Antwort 90 Sekunden Zeit. Den Moderatorinnen waren pro Antwort zwei Nachfragen gestattet, deren Beantwortung wiederum nicht länger als 60 Sekunden dauern durfte. Ein Notar überwachte die Gleichbehandlung. Am 8. September standen sich Schröder und Stoiber erneut gegenüber, dieses Mal in ARD und ZDF. FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle scheiterte mit dem Versuch, seine Teilnahme durchzusetzen, am Ende sogar vor dem Bundesverfassungsgericht.

Am 4. September 2005, zwei Wochen vor der Bundestagswahl, „duellierten“ sich Schröder und Angela Merkel (CDU) vor laufenden Kameras. Merkel setzte sich aber damit durch, nur einmal direkt auf den „Medienkanzler“ Schröder zu treffen, offiziell aus Termingründen. Eines der großen Themen der 90-minütigen Debatte waren die Steuerreformvorschläge des „Heidelberger Professors“ Paul Kirchhof, mit denen die SPD in der Schlussphase des Wahlkampfes als Beispiel für die angebliche soziale Kälte der Union aufholen konnte. Erstmals wurde das Duell gleichzeitig von ARD, ZDF, RTL und Sat 1 übertragen.mit dpa

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