Zeitung Heute : TV Total

DVB-T bringt mehr Programme – aber auch Probleme. Viel Arbeit für die Hotlines

Maximilian v. Demandowsky

Es gibt keinen Weg zurück. Die Knöpfe an der Schalttafel sind gedrückt. Zwischen ein und fünf Uhr früh wurden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag die Weichen für das digitale Antennenfernsehen in Berlin und Brandenburg gestellt. Seit den frühen Morgenstunden sind nun über 20 Programme in digitaler Qualität mit entsprechenden DVB-T-Decodern zu empfangen. Vorausgegangen waren monatelange Vorbereitungen für den neuen Fernsehempfang und eine Erprobungsphase seit November. Schließlich wird die neue Technik in der Region Berlin-Brandenburg erstmals im Regelbetrieb eingesetzt. Es gab kurzzeitige Senderausfälle und Empfangsstörungen. Programme kamen hinzu, wurden wieder aus der Kanalbelegung genommen, um dann an ganz anderer Stelle wieder zu erscheinen. Zum Schluss ging alles schnell. Ab heute sendet DVB-T seine digitalen Wellen nach Berlin und Brandenburg mit einem deutlich erhöhten Programmangebot.

Aber die Umstellung bringt auch jede Menge Änderungen in der Kanalbelegung der Sender. Auf jedem der insgesamt sechs Kanäle können jetzt vier TV-Sender ausgestrahlt werden. Ein siebter Kanal ist derzeit nur in Berlin zu empfangen. Die meisten Programme standen bereits seit langem fest, doch bis zum Schluss liefen noch Verhandlungen, beispielsweise mit n-tv.

Für eine Übergangszeit bis Mitte des Jahres läuft das alte, analoge Fernsehen weiter. Allerdings auf schwächeren Frequenzen, so dass der Empfang nicht mehr überall gewährleistet ist. Doch was passiert genau mit der analogen Fernsehübertragung? Endgültig verschwunden sind jetzt die Sender Pro 7, RTL, Sat1 und Vox. RTL2 ist bereits seit ein paar Tagen analog nicht mehr auf Sendung. Lediglich die vier öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF, SFB1 und ORB bleiben, wie berichtet, noch bis zur Internationalen Funkausstellung Ende August erhalten. Die ARD wandert zu Kanal 29, das ZDF sendet analog auf Kanal 47, der ORB wechselt zu Kanal 51 und SFB1 verbleibt auf Kanal 39 (siehe obige Grafik).

Analog gesendet wird in Berlin nur noch vom Fernsehturm am Alexanderplatz. Vor allem beim ORB kann es in Teilen von Berlin, besonders im Nordosten im Gebiet um Tegel, zu schlechtem Empfang kommen. Wichtig für die Umstellung: Auf jeden Fall sollte man heute an der Set-Top-Box einen neuen Sendersuchlauf starten, weil durch die Umstellung alle Sendereinstellungen verschoben sind. Die neue Programmbelegung wird anschließend automatisch angezeigt.

Bis zur Abschaltung der letzten analogen Programme zur Internationalen Funkausstellung im Sommer 2003 ist nun Zeit, die Vorzüge und Nachteile von digitalem, terrestrischen Fernsehen zu erproben, oder sich für eine Versorgung durch Kabel- oder Satelliten-TV zu entscheiden. Dann zeigt sich, ob der Einstieg in die digitale Antennenübertragung in Berlin und Brandenburg ein Erfolgsmodell für die anderen Bundesländer ist.

Sollten Probleme beim Anschluss oder beim Empfang auftauchen, so steht für die Umstellungsphase tagsüber die DVB-T-Hotline unter 01802-32 39 99 zur Verfügung. Bei der Gesellschaft zur Förderung der Rundfunkversorgung mbH (Garv) wird unter der Telefonnummer 28 44 900 sowie bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) unter der Telefonnummer 26 49 67-0 informiert. Das ZDF hat eine Hotline geschaltet. Unter der Nummer 06131-70 76 70 können sich Ratsuchende werktags von 9 bis 21 Uhr und auch am Wochenende Hilfestellung geben lassen. Falls der DVB-T-Decoder partout nicht will, was die Bedienungsanleitung verspricht, sollte man nicht zögern, Rat beim Fachhändler zu suchen.

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