Zeitung Heute : Typologie der ÜberfordertenTipps vom Psychologen für eine andere Sicht

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Um mit beruflichen Anforderungen und privaten Belastungen besser fertig zu werden, sollte man nach Überzeugung von PsychologieProfessor Ulrich Völker seine grundlegenden Einstellungs- und Persönlichkeitsmuster kennen. Völker hat eine Typologie sieben problematischer Lebenseinstellungen von Mary Dempcy und Rene Tihista modifiziert, die „Menschen unbemerkt in eine chronische Überforderung führen können“.

Der Eilige treibt sich selbst ständig an, hat für nichts richtig Zeit und ist daher immer in Hetze. Die Vorstellung, nichts zu tun, versetzt ihn in Panik. Muße hält er für Zeitverschwendung.

Aufgabe: Er sollte lernen, den Augenblick zu genießen und zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen. Das geht nur, wenn er andere Prioritäten setzt und die Zeit besser einteilt.

Der Überangepasste möchte bei allen beliebt sein; er äußert seine wahren Bedürfnisse und Gefühle nicht. Im Bemühen, es allen recht zu machen, bürdet er sich zu viel auf und vernachlässigt sich selbst.

Aufgabe: Ängste überwinden; sich selbst annehmen; Vertrauen in das eigene Selbst stärken.

Der Gereizte sieht die Welt als feindlichen Ort und das Leben als Kampf. Er erwartet, dass andere Menschen sich nach seinen Vorstellungen verhalten. Tun sie es nicht, entsteht oft Ärger, der auf unschuldige Opfer wie Kinder, Partner oder Mitarbeiter gelenkt wird. Er neigt zu Wutausbrüchen und hat Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Aufgabe: Er sollte sich vor allem um innere Ausgeglichenheit und konstruktiven Umgang mit Ärger bemühen.

Der Streber wird von maßlosem Ehrgeiz beherrscht; er definiert seinen persönlichen Wert über seine Leistung. Der Streber setzt sich unerreichbare Ziele und vernachlässigt dabei familiäre und freundschaftliche Bindungen. Er ist gefährdet, psychosomatisch zu erkranken.

Aufgabe: Wertschätzung nicht leistungsbezogener Bereiche; realistische Selbsteinschätzung; Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen.

Der Perfektionist hat das Leitbild Vollkommenheit; alles, was dem nicht entspricht, hält er für einen Misserfolg. Er kritisiert sich und andere für Unzulänglichkeiten. Der Zwang zur Perfektion ist eine Quelle für andauernden Stress.

Aufgabe: Die eigenen Maßstäbe überprüfen; das Positive auch im Unvollkommenen sehen; etwas Neues wagen und aus Fehlern lernen.

Der Sorgenmacher ist immer auf das Schlimmste gefasst. Er sucht nach Sicherheit, die er niemals findet. Durch seinen pessimistischen Blick auf die Welt erzeugt er ständig neue Belastungen.

Aufgabe: Ängste überwinden; Vertrauen in sich und das Leben stärken. Lernen, in der Gegenwart zu leben.

Der Undisziplinierte hat viele Pläne, verfolgt seine Lebensziele aber nicht konsequent und scheitert an den Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Es fehlt ihm an Ordnung, Struktur und Disziplin.

Aufgabe: Den Problemen nicht ausweichen, sondern sie lösen. Selbstdisziplin entwickeln.

Sind sich die Stresstypen ihrer irrationalen Annahmen und Gedanken bewusst geworden, können sie daraus Verbesserungen für ihr Verhalten ableiten. Dann nähern sie sich dem Idealtyp :

Der Gelassene sieht seine Arbeit als sinnvoll und nützlich an; er arbeitet in seinem persönlichen Tempo und Rhythmus, lebt mit sich selbst im Einklang und hat gute Beziehungen zu den Mitmenschen. Er zeichnet sich aus durch lösungsorientiertes Denken und bittet um Hilfe, wenn er ein Problem allein nicht lösen kann. rch

Ulrich Völker (60)

ist Professor für

Psychologie an der Evangelischen Fachhochschule (evfh)

Berlin und leitet Anti- Stress-Trainings für Führungskräfte

(www.cmi-berlin.de)

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