Zeitung Heute : Über den Umgang mit Pointen

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Autoren verlieben sich ja auch in Schauspieler, wenn sie etwas von Pointen verstehen (…) Es gibt Schauspieler, die wissen aber gar nicht, dass in dem Text, den sie gerade sprechen, eine Pointe ist. Das ist schade, und die Autoren werden meist grün dabei im Gesicht. Dann gibt es Schauspieler, die sich mit aller Kraft derartig auf die erkannte Pointe setzen, dass es dumpf knackt wie beim Knochenbruch und die Komik oder das Absurde tot, gedoppelt, platt und weg ist. Danach sterben die meisten Autoren. Und dann gibt es Schauspieler, die vermögen es, das Tempo auf die entscheidende Stelle hin anzuziehen, aber im letzten Moment für die Setzung der Pointe den Druck zurückzunehmen, so dass sich die Komik, der absurde Gedanke, im Kopf des Zuschauer ereignet und damit das Theater mit jener von Autoren so geliebten Magie eines aus dem Geiste kommenden Lachens erfüllt. So etwas kann Ulrich Matthes.

Moritz Rinke in seiner „Lobrede auf eine Wildgans“, Theater heute, 1995

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