Übernahme : Porsche und VW auf Kollisionskurs

Das Hickhack um die geplante Porsche-Übernahme durch VW geht weiter – und zunehmend mischt auch die Politik mit. Was steht auf dem Spiel?

Cordula Eubel

Am Wochenende hatten die Baden-Württemberger genug. „Unerträglich“ sei die von der niedersächsischen Landesregierung geschürte Meinungsmache gegen Porsche, schimpfte Stefan Mappus, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion. Und Generalsekretär Thomas Strobl wirft seinem Parteikollegen und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff vor, er habe im Übernahmekampf zwischen Volkswagen und Porsche Grenzen überschritten.

Ob der seit Wochen andauernde Machtkampf zwischen VW und Porsche noch in dieser Woche entschieden wird, ist unsicher. Am Donnerstag kommen die Aufsichtsräte beider Konzerne in Stuttgart in getrennten Sitzungen zusammen, um über die gemeinsame Zukunft des Unternehmens zu beraten. Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung ist erst für den 29. Juli geplant. Wulff drängt auf eine schnelle Entscheidung. „Lasst uns am Donnerstag den Knoten durchschlagen, damit wir bei VW und Porsche endlich wieder die Konkurrenz ins Visier nehmen und uns ganz auf den Autobau konzentrieren können“, sagte der CDU-Politiker am Montag.

Auf dem Tisch liegen auf den ersten Blick unversöhnliche Konzepte. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will das Unternehmen mit Hilfe einer Finanzspritze des Emirats Katar in Höhe von rund sieben Milliarden Euro und einer von Katar sowie den Altaktionären finanzierten Kapitalerhöhung wieder auf solide Füße stellen. Mit reduzierter Schuldenlast sollen dann Fusionsverhandlungen mit VW aufgenommen werden. VW soll stattdessen nach dem Willen von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Sportwagenhersteller Porsche übernehmen und dafür rund acht Milliarden Euro ausgeben.

Welche Rolle spielt die Politik?

Ministerpräsident Wulff (Niedersachsen ist mit 20 Prozent an VW beteiligt) mischt im Machtkampf zwischen den beiden Autobauern mit. Zu kräftig, wie seine Parteikollegen aus Baden-Württemberg finden. „Die Grenze ist dann überschritten, wenn verhindert wird, dass ein privater Investor aus dem Ausland Porsche einen Kredit gibt. Das geht den niedersächsischen Ministerpräsidenten als VW-Anteilseigner nichts an“, sagt der baden-württembergische Generalsekretär Strobl. Aus Niedersachsen werde ein bisschen zu viel Feindseligkeit gegenüber Porsche geschürt. „Herr Wulff sollte bedenken, dass am Tag X alle Beteiligten wieder an einem Tisch sitzen müssen.“ Schließlich sei das gemeinsame Ziel, aus VW und Porsche ein integriertes Unternehmen zu schmieden.

Vorwürfe, die der niedersächsische CDU-Landesvorsitzende David McAllister zurückweist. In der aktuellen Diskussion würden aus unterschiedlichen Beweggründen immer wieder Fakten unzutreffend dargestellt und teilweise völlig verdreht. McAllister weist darauf hin, dass es ursprünglich die Absicht von Porsche gewesen sei, VW zu übernehmen. „Dabei hat sich Porsche finanziell verhoben und Probleme sind entstanden, die es nun gemeinsam zu lösen gilt.“

Welche Probleme gibt es bei der Finanzierung der Übernahme?

Wenn VW Porsche übernimmt, könnte ein Veräußerungsgewinn anfallen, der versteuert werden müsste. Es gehe um eine Größenordnung von etwa acht Milliarden Euro, auf die Steuern zu zahlen wären, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Kreisen, die mit dem Fall vertraut sind. Das Problem ist durch die Konzernstruktur Porsches entstanden. Die Familien Porsche und Piëch müssten auf ihre Veräußerungsgewinne 15 Prozent Körperschaft- plus 15 Prozent Gewerbesteuer zahlen, auch wenn tatsächlich gar kein Cent Gewinn an sie geflossen ist. „In derartigen Fällen gibt es aber eigentlich immer Möglichkeiten, die Fusion so zu gestalten, dass sie steuerneutral ist“, sagte der Chef der Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek.

Ein Sprecher von Ministerpräsident Wulff wies am Montag Darstellungen zurück, wonach VW Steuerzahlungen beim Kauf von Porsche zu vermeiden suche. „Beim jetzt angestrebten Verschmelzungsprozess wird es nur eine Lösung im Einklang mit der Rechtslage geben, die zudem dem Staat nachhaltig Steuereinnahmen sichert“, erklärte er. In Richtung Porsche sagte er zudem: „Es ist unbegreiflich, warum einige, die das gesamte Vermögen der Familien Porsche und Piëch aufs Spiel gesetzt haben, jetzt auch noch deren Rettung torpedieren.“


Welche weiteren Risiken drohen VW?

Porsche könnte sich Klagen von Aktionären einhandeln, wenn Vorstandschef Wiedeking mit einer hohen Abfindung nach Hause geschickt wird. Experten schließen nicht aus, dass das Unternehmen sich dann dem Vorwurf aussetzt, Aktionärsvermögen veruntreut zu haben. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wird die mögliche Abfindung sogar noch höher ausfallen als bisher vermutet. „Es sind mindestens 100 Millionen Euro“, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Porsche stößt mit dem goldenen Handschlag für den Spitzenmanager, der noch einen Vertrag bis 2012 hat, in eine neue Dimension vor. Die enormen Ansprüche von Wiedeking ergeben sich zum einen aus seiner Vertragslaufzeit von noch drei Jahren. Außerdem gibt es eine Vereinbarung mit den Eigentümerfamilien, wonach er 0,9 Prozent des Porsche-Gewinns selbst einstreichen darf – was sein Gehalt im vergangenen Jahr auf die Rekordhöhe von geschätzten 80 Millionen Euro katapulitierte – und ihn damit zum bestbezahlten Manager Deutschlands machte.

Desweiteren könnte ein radikaler Führungswechsel an der Spitze von Porsche neue Probleme aufwerfen. Denn die komplizierten Finanzgeschäfte, mit denen Porsche in den vergangenen Jahren Milliarden verdiente und die das Unternehmen nun belasten, kennt niemand so gut im Haus wie das Porsche-Führungsduo um Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Über die Feinheiten seiner Optionsgeschäfte hat der Finanzvorstand immer geschwiegen.

Wiedeking selbst gibt sich unterdessen weiter kampfbereit. Er werde „nicht zulassen, dass Porsche am Ende über den Tisch gezogen wird“, sagte der Porsche-Chef der Monatszeitschrift „Cicero“. Das sei er den Mitarbeitern und den freien Aktionären schuldig. Wiedeking sagte weiter, er halte es „für legitim, dass alle beteiligten Parteien für sich das Optimum herausholen wollen“. Porsche habe jedoch die finanziellen Mittel erarbeitet, um eine Allianz von Porsche und VW möglich zu machen. Ob Wiedeking im Amt bleibt oder nicht, entscheidet der Porsche-Aufsichtsrat. Nur wann das der Fall sein wird, ist noch offen.
mit HB/rtr

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