Zeitung Heute : Übers Wasser zischen

Die Wakeboard-Anlage in Großbeeren ist eine Adresse für Profis wie Anfänger.

jannik Lage[15 Jahre]
Ordentlich Zug drauf. Wakeboard fahren lernen können auf der Anlage in Großbeeren alle, die mindestens zehn Jahre alt sind und schon sicher schwimmen. Foto: Thilo Rückeis
Ordentlich Zug drauf. Wakeboard fahren lernen können auf der Anlage in Großbeeren alle, die mindestens zehn Jahre alt sind und...

Marie-Eleni ist zehn Jahre und zischt locker mit ihrem Wakeboard an mir vorbei, während ich gerade am Startpunkt die letzten Instruktionen und Tipps für meinen ersten Start bekomme. Sieht einfach aus, aber ich habe Respekt vor den Leistungen, die manche hier zeigen.

Doch hier auf der Anlage ist es kein Problem, ob du Anfänger oder Profi bist: Jeder hilft jedem. Der Umgang ist sehr locker und die Atmosphäre chillig. Zuvor habe ich einen Videofilm gesehen, in dem Wakeboardingtechnik und Sicherheit erklärt wurden. Alles Weitere wird mir von den Mitarbeitern erklärt.

Jetzt schnell in den Neoprenanzug, die Prallschutzweste darüber und ab aufs Wasser. Ich beginne, wie jeder Anfänger, mit Wasserskiern, um ein Gefühl für die Anlage zu bekommen. Der Startpunkt ist eine Matte, über die man super ins Wasser gleiten kann.

Neben mir springen Fortgeschrittene von einer Bank direkt mit ihrem Wakeboard ins Wasser. Ich muss jetzt die Arme gestreckt lassen, in den Knien nachgeben. Dann kommt der Schlepphaken. Der Griff sieht aus wie ein Triangel. Ich fasse ihn mit beiden Händen, das Seil spannt sich, ich spüre einen ziemlich starken Zug und schon zische ich übers Wasser.

Der Start ist mir gelungen. Die ersten Meter fühlen sich gut an, obwohl ich noch nicht locker bin, denn jetzt heißt es, nicht die Balance zu verlieren. In der ersten Kurve werde ich unerwartet schneller, weil die Seilbahn in den Kurven mehr Druck hat. Damit hatte ich nicht gerechnet – und schon lande ich im Wasser.

Ich schwimme zur nächsten Ausstiegsmatte und laufe zum Startpunkt zurück. Nach ein paar Versuchen bekomme ich die erste Runde mit den Wasserskiern hin und darf aufs Wakeboard umsteigen. Damit fühle ich mich wohler, weil mir meine Erfahrungen vom Kitesurfen zugute kommen. Ich weiß, wie man startet, das Board steuert und einiges mehr.

Am Ende darf ich das Einsteiger-Schulungsboard noch gegen ein professionelleres Board austauschen und damit macht es dann so richtig Spaß, mit 30 Stundenkilometern übers Wasser zu sausen. Obwohl ich viel Sport treibe, bin ich nach zwei Stunden platt – ich merke, dass Wakeboarden Kondition erfordert.

Auf der Wakeboard-Anlage in Großbeeren treffen sich nicht nur Wakeboard-Begeisterte aus Berlin und dem Umland, sondern auch Leute, die einen Wakeboard-Anlagen-Trip quer durch Deutschland machen. Sie gehören schon zu den Profis und zeigen die krassesten Sprünge.

Der Sport kommt aus den USA, wo er Ende der achtziger Jahre erfunden wurde. In Deutschland gibt es ungefähr 20 000 aktive Wakeboarder, und es kommen immer mehr dazu, die nach einem Anfängerkurs weitermachen. In Deutschland gibt es etwa 50 Seilbahnanlagen. Auf der Wakeboard-Anlage in Großbeeren werden auch internationale Wettkämpfe im Wakeboarden ausgetragen.

Nachdem ich meinen Wakeboard-Einführungskurs für heute beendet habe und am Rand noch ein wenig zusehe, zischt wieder Marie-Eleni an mir vorbei und nimmt spielend ein Obstacle, das sind Hindernisse, die im Wasser aufgebaut sind und die man überfahren oder überspringen kann. Wie ich erfahre, ist sie erst seit einem Jahr dabei. Respekt. Bis ich so gut bin, werde ich bestimmt noch eine Weile brauchen. Definitiv steht aber für mich fest: Es hat mich gepackt – ich werde wieder wakeboarden.

Es gibt in Großbeeren WakeboardingFerienkurse. Teilnehmen kann jeder ab zehn, der sicher schwimmen kann. Die Ausrüstung bekommt man im Shop auf der Anlage. Nebenan ist übrigens ein Erlebnisbad mit großer Liegewiese. Wer nicht wakeboarden oder Wasserski fahren will, kann sich hier entspannen.

Infos: www.wakeboarding-berlin.de

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