Umschau : Berlin – immer wieder neu

Es sind nicht nur Fashion Week, Premium, Bread & Butter und die kleineren Messen, die Einkäufer und Fachleute nach Berlin locken – es ist auch die Stadt selbst.

Susanna Nieder
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Die Abflughalle des Flughafens Tempelhof - ein Ort wie ein Magnet. -Foto: dpa

Geordert wird in Paris, Mailand und Düsseldorf sicherlich mehr, doch Mode lebt eben nicht nur vom Geschäft, sondern auch von der Inspiration.

Wichtig für die Einkäufer aus dem In- und Ausland ist nicht zuletzt die Berliner Atmosphäre. Dazu gehören natürlich in erster Linie die historischen Orte mitten im Zentrum, wo die Modeveranstaltungen stattfinden: die meisten Schauen der Fashion Week im Zelt am Bebelplatz, die Premium im alten Postbahnhof am Gleisdreieck und nun die Bread & Butter im ehemaligen Flughafen Tempelhof – das ist schon etwas anderes als Messehallen am Stadtrand.

„Bisher war ich noch nie auf der Bread & Butter, da gibt es zu wenig aus dem gehobenen Segment“, sagt Christian Villwock, der für das exklusive Hamburger Modegeschäft Anita Hass immer auf der Suche nach etwas Besonderem ist. Villwocks Kundschaft kommt viel herum, da muss er ein außergewöhnliches Sortiment bieten. Er reist regelmäßig nach Paris, Mailand, London, New York; in Berlin findet er vor allen Dingen Anregung: „Als Hamburger interessiert mich Berlin enorm – so nah, aber so anders, viel urbaner, cooler. Früher fand man eine solche Mischung nur in London und Paris. In Berlin, gepaart mit dem deutschen Style, ist das besonders spannend.“ Die Bread & Butter im Flughafen Tempelhof besucht er, auch wenn er dort wenig Geeignetes für sein Geschäft erwartet, denn es ist der Ort, der ihn fasziniert.

Auch von den Schauen auf der Fashion Week wird Villwock sich einige anschauen, um sich inspirieren zu lassen: „Das ist ein schöner Zusatz, da bekommt man ein schärferes, realistischeres Bild der Kollektionen.“ Außerdem schaut er sich in den Geschäften in Mitte um – The Corner, Department Store, Apartment, Murkudis sind feste Programmpunkte. „Vieles andere in Mitte ist mir schon wieder zu sehr Mainstream. Aber es tut sich ja auch immer etwas Neues.“

Die Infotour durch Berliner Geschäfte ist für viele Fachbesucher wichtig. Store Check wird das genannt und ist für manche Einzelhändler ein Programmpunkt wie der Messebesuch selbst. In einer Umfrage des Fachmagazins „Textilwirtschaft“ werden exklusive Adressen in der Friedrichstraße wie Department Store genannt – aber auch Cos, die höherwertige Linie von H & M, denn die gibt es nicht in jeder deutschen Stadt. Die kleinen Geschäfte um den Hackeschen Markt sind ebenso wichtig.

Auch Stefan Crämer von Crämer & Co in Nürnberg tut sich in Mitte um; der neue Herrenausstatter Burg & Schild und die Edeljeansboutique 14 oz gehören zu seinen Anlaufstellen. Crämer betreibt die Sorte Modegeschäft, wegen der viele West-Berliner früher lieber in kleineren Städten einkaufen gingen als zu Hause: Gut sortierte Mode einschließlich Schuhen auf 2600 Quadratmetern in der Nürnberger Innenstadt.

„Wir fahren zu acht für drei Tage nach Berlin“, sagt Crämer. „Das bringt nicht nur Motivation für die Mitarbeiter, sondern auch Input, den sie wieder an die Kunden weitergeben.“ Dass im Flughafen Tempelhof in dieser Saison 550 Aussteller zeigen und nicht mehr 800 wie letzte Saison auf der Bread & Butter in Barcelona, findet Crämer gut: „ Das war ein Überangebot, da konnte man nichts in Ruhe machen, weil man ständig befürchtete, etwas zu verpassen.“

Wie viele seiner Kollegen betont Crämer, dass auch die Premium mit ihrem kleinen, handverlesenen Angebot für sein Geschäft von Bedeutung ist: „Wir sind froh um beide Messen.“Susanna Nieder

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