Zeitung Heute : Umsonst und draußen

Slacklinen, Bikepolo und andere Spiele – in den Parks und auf den Straßen der Stadt gibt es viele Trendsportarten zu entdecken

Ann-Kathrin Nezik

Die Freiluftsaison ist noch lange nicht vorbei – und das Wetter (meistens) gut genug, um sich draußen an der frischen Luft so richtig auszutoben. Doch in Berlin kann man viel mehr als nur joggen, radeln oder Fußball spielen. Denn auch die Straßen und die Parks lassen sich als Sportplatz nutzen. Wir stellen deshalb heute ein paar neue Sportarten vor, bei denen Passanten garantiert neugierig stehen bleiben.

WALK THE LINE

„Späßchen machen und Balancieren gleichzeitig geht nicht“, sagt Fränky. Bevor er den Satz zu Ende gesprochen hat, fällt er vom fünf Zentimeter breiten Gurtband. Ein Glück, dass es nur einen halben Meter über dem Boden gespannt ist. Was der 46-Jährige da macht, nennt sich „Slacklinen“ und ist so etwas wie urbaner Seiltanz. Ursprünglich von Kletterern als zusätzliches Balancetraining betrieben, hat sich der Sport von den USA bis nach Berlin ausgebreitet. Seit drei Monaten befestigen Fränky, der eigentlich Frank Sommer heißt, und seine Kumpels jeden Dienstagabend ihre Leinen zwischen den Bäumen im Volkspark Friedrichshain. Andere Slackliner spannen ihre Gurte im Görlitzer Park oder im Volkspark Rehberge. Dort versuchen sie auf der Leine zu laufen und überdies Sprünge oder Drehungen zu schaffen.

Wenn Fränky mit seiner Konzentration „ganz auf der Leine ist“, klappt das mit dem Laufen gut: Seine Arme rudern in der Luft, unter seinem Gewicht berührt die Slackline – zu Deutsch schlaffe Leine – fast den Boden, das unterscheidet diesen Sport vom klassischen Drahtseiltanz. So gut wie Fränky ist Sven noch nicht, er ist erst seit ein paar Wochen dabei. Eine Stunde habe er benötigt, um freihändig auf der Slackline stehen zu können. Und wer selbst einmal einen Fuß daraufsetzt, kann das verstehen: Um die zitternde Leine unter Kontrolle zu bekommen, ist viel Kraft und Körperspannung notwendig. Trotzdem sagt Sven: „Slacklinen macht süchtig, obwohl einem danach alle Muskeln weh tun.“

POLO AUF DRAHTESELN

Wer Polo spielen möchte, muss kein Mitglied des britischen Adels sein und auch kein teures Ross besitzen: Ein paar Endzwanziger zeigen wie. Statt auf einem Pferd sitzen sie auf dem Fahrrad. Sie spielen „Bikepolo“. Die Schläger sind selbst gebaut – aus einem Skistock und einem abgesägten Stück Hartplastikrohr aus dem Baumarkt. Das Spielfeld ist der Kreuzberger Wassertorplatz.

Der ehemalige Fahrradkurier Markus Mündecke, der den Sport aus New York kannte, hat den Bikepolotreff zusammen mit seinem Freund Arno Bletzinger, ebenfalls Fahrradkurier, im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Inzwischen ist der Spielerkreis auf 50 Leute angewachsen, die sich mittwochs um 19.30 Uhr und sonntags um 15 Uhr treffen. Zuwachs ist erwünscht: Insbesondere für das neu gegründete „Ladies Team“ werden noch Spielerinnen gesucht.

Kristina macht schon mit. „Ein bisschen fahrradverrückt muss man sein, wenn man Bikepolo spielt“, sagt sie. Bei dem Spiel umkreisen zwei Mannschaften à drei Spielern auf ihren Rädern den Streethockeyball und schieben sich die Pässe zu. Die meisten sitzen auf Bahnfahrrädern, einige auf einem klassischen Hollandrad. Ziel ist es, den Ball ins Tor, das aus zwei orangefarbenen Pylonen besteht, zu bugsieren. So jung wie die Kreuzberger Bikepolo-Truppe ist ihr Sport aber nicht. Wenn auch nicht als offizielle Wettkampfdisziplin, wurde Bikepolo schon bei Olympia gespielt: Das war im Jahr 1908.

KAMPF UM DEN HUNDEKOPF

Was auf den ersten Blick aussieht wie eine keltische Schlacht, ist eine offiziell anerkannte Sportart und heißt „Jugger“. Ziel des Spiels ist es, einen nachgebildeten Hundeschädel in einer Vorrichtung zu platzieren, was die gegnerische Mannschaft mit Hilfe von Keulen und anderen Waffen zu verhindern versucht.Verletzungen sind allerdings nicht zu befürchten: Die Schläger sind mit Schaumstoff gepolstert. Gespielt wird zum Beispiel sonntags ab 14 Uhr im Volkspark Friedrichshain.

DEN KÖNIG STÜRZEN

Wurfspiel „Kubb“ stammt aus Skandinavien. Inzwischen gibt es aber auch in Berlin Kubb-Vereine, zum Beispiel „Kubbsport Berlin“. Das Spielgerät ist simpel: Lediglich einige Holzstäbe sowie ein paar Holzquader werden benötigt. Den größten Holzklotz, „König“ genannt, gilt es mit den Wurfhölzern zu Fall zu bringen. Davor müssen jedoch die übrigen Holzklötze des Gegners umgeworfen werden.

SPRINGINSFELD

Nichts kann sie aufhalten, die urbanen Hindernisläufer. Bei der spektakulär aussehenden Fortbewegungskunst „Parkour“ geht es darum, mit der eigenen Körperkraft alles zu überwinden, was gerade in den Weg kommt. So klettern die Traceure, wie sich die Parkour-Sportler nennen, an Mauern hoch oder schwingen sich über Geländer. In Berlin treffen sie sich regelmäßig am Velodrom in Prenzlauer Berg. Im November findet ein Workshop statt, bei dem Interessierte unter Profi-Anleitung selbst einmal Parkour ausprobieren können (Informationen dazu im Netz unter www.playstationtheway.com).

Weiteres im Internet:

www.slackliner.de

www.bikepolo-berlin.de

www.jugger.de

www.kubbsport.de

www.teamadd.de

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