Umwelt : Deutschland hat Klimaziel schon erreicht

"Drei Jahre vor der Ziellinie": Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kann zufrieden sein - Deutschland erfüllt das Klimaschutzabkommen von Kioto bereits vor 2012. Der Ausstoß von Treibhausgasen sinkt um 1,2 Prozent.

Dagmar Dehmer

Berlin - Deutschland hat sein Kioto-Ziel zum Klimaschutz „schon drei Jahre vor der Ziellinie erreicht“, teilte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Sonntag in Berlin mit. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) sank der Treibhausgasausstoß 2008 um zwölf Millionen Tonnen im Vergleich zu 2007, das ist ein Rückgang um 1,2 Prozent. Deutschland hat sich im Klimaschutzabkommen von Kioto verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen zwischen 2008 und 2012 um 21 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken. Nach Angaben des UBA lagen sie 2008 bei minus 23,3 Prozent. Gabriel sagte: „Selbst wenn man unterstellt, dass vermutlich ein bis zwei Prozentpunkte dieses Rückgangs der Wirtschaftskrise geschuldet sind, belegen die Zahlen doch, dass unsere Klimaschutzpolitik greift.“

UBA-Chef Andreas Troge wies darauf hin, dass die Kohlendioxidemissionen um 1,1 Prozent gesunken sind, obwohl gleichzeitig der Primärenergieverbrauch in Deutschland um ein Prozent gestiegen ist. Als Grund nannte er die „gesunkene Nachfrage nach Stein- und Braunkohle“. Stattdessen seien emissionsärmere Energieträger wie Erdgas und erneuerbare Energien zum Einsatz gekommen. Der Energie- und Klimaexperte Hans-Joachim Ziesing schreibt in einem Beitrag für die Fachzeitschrift „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“, der im April erscheinen soll, dass etwa die Hälfte der Emissionsminderungen auf den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft nach der Wende zurückzuführen sei. Der deutsche Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 liegt inzwischen bei 10,2 Tonnen im Jahr.

In Bonn ist am Sonntag die erste von drei Verhandlungsrunden eröffnet worden, die im Dezember zu einem neuen globalen Klimaabkommen in Kopenhagen führen soll. Der amerikanische Klimabeauftragte Todd Stern warb in seiner Eröffnungsrede für ein Abkommen, das die wissenschaftlichen Notwendigkeit aber auch pragmatische Lösungen beinhalte. Es müsse ein starkes Abkommen sein, das den Klimawandel aufhalte, es müsse aber auch politisch durchsetzbar sein. Um dabei voranzukommen, hat US-Präsident Barack Obama zu einem „Forum für Energie und Klima“ der führenden Wirtschaftsmächte eingeladen, das Ende April in Washington stattfinden soll.

Doch nicht nur in Bonn wird in den kommenden zwei Wochen über das Klima diskutiert. Auch beim G-20-Gipfel am 2. April in London wird es ein wichtiges Thema sein. Das UN-Umweltprogramm Unep hat ein Konzept für einen „Globalen grünen neuen Gesellschaftsvertrag“ (Global Green New Deal) vorgelegt. Darin verlangt Unep, rund ein Drittel der weltweit geplanten Konjunkturprogramme für den Umbau der Wirtschaft in eine kohlenstoffarme Produktion auszugeben. Am Sonntag forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer wöchentlichen Videobotschaft zudem die Nato auf, bei der Entwicklung ihres neuen strategischen Sicherheitskonzepts Bedrohungen wie die Folgen des Klimawandels und andere Naturkatastrophen einzubeziehen.

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