Zeitung Heute : Umweltfreundlich Geld verdienen

Berlin ist spitze bei Öko-Technologien. Für traditionelle Recycling-Firmen ist die Stadt ein schwieriger Markt

A. Hansen A. Visser

Wo die Industrie boomt, gedeiht auch die Umwelttechnik: Werkstoffe werden recycelt, Reststoffe entsorgt. Wenn neue Produktionsflächen entstehen, müssen anderswo grüne Ausgleichsflächen geschaffen werden. Da die Berliner Industrie seit Jahren auf dem Rückzug ist, haben es Firmen nicht leicht, die hier mit Umwelttechnik ihr Geld verdienen. Nur wer auf innovative Technologien und Geschäftsmodelle setzt, hat in der Branche Zukunft.

Pluspunkt für Unternehmen der Region sind herausragende Forschungsinstitute wie das Hahn-Meitner-Institut oder das Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. Von hier gehen Impulse für Hightech-Gründungen aus. Die Scienion AG etwa, die in Adlershof unter anderem Laborgeräte für die Biotechnologie entwickelt, ist eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts.

„Auch im Bereich der erneuerbaren Energie profitieren Firmen von der hochkarätigen Forschungslandschaft“, sagt Volker Quaschning, Studiengangssprecher „Regenerative Energiesysteme“ an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW). Aufstrebende Firmen wie die Solon AG, einer der führenden Hersteller von Solartechnik, bieten Quaschnings Studenten Einstiegschancen in den Beruf. „Allerdings finden viele unserer Absolventen eher in Südwestdeutschland eine Stelle.“ Die Absolventen sind gefragt, denn die FHTW hat sich als Pionier im Bereich der regenerativen Energie einen Namen gemacht.

Alteingesessene Recycling-Unternehmen leiden unter dem geringen Wertstoffaufkommen. „Man merkt, dass immer mehr Produktionen in Berlin geschlossen werden“, sagt Fapack-Geschäftsführer Karl-Heinz Behrens. Seit 1869 verarbeitet seine Firma Cartonagen, später kam Styropor hinzu. Das von Schließung bedrohte Bosch-Siemens-Hausgerätewerk ist ein wichtiger Fapack-Kunde.

PAV Recyclate in Marienfelde setzt neben traditionellen Wertstoffen auf das Recycling von Datenträgern wie Compact Discs und DVDs. „Das ist ein Zukunftsmarkt“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Brauer. „In ganz Deutschland gibt es nur drei Unternehmen, die einen Service wie wir anbieten.“

Auch Bartscherer setzt auf die Zukunft: Der Altpapierentsorger ruft Berliner Schulen seit sechs Jahren zu einem Sammelwettbewerb auf, 2005 kamen 612 Tonnen zusammen. Bartscherer hat seit 1999 knapp 48 000 Euro Preisgeld an Schulen gezahlt. Die Idee: Wer schon in der Schule Papier sammelt, wird auch später eifrig zum Recycling beitragen.

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