Zeitung Heute : Umweltzone voraus

Ab 2008 darf nicht mehr jeder in die City fahren. Schlecht für Oldtimerfahrer und Handwerksbetriebe - aber gut für die Luft

Stefan Jacobs

In gut acht Monaten wird die Berliner Innenstadt zur größten Umweltzone Deutschlands. Die parallel zum S-Bahn-Ring verlaufende Stadtautobahn ist die Grenze, so dass auch große Teile von Charlottenburg-Wilmersdorf betroffen sind. Zum Beispiel der, in dem auch Berlins wohl prominenteste Autofreundin Heidi Hetzer seit Jahrzehnten ihr Geschäft betreibt.

Wer ab 2008 in die Innenstadt fahren will, braucht eine Plakette, und wessen Auto nicht bestimmte Abgasnormen oder Ausnahmekriterien erfüllt, darf gar nicht rein. Ausgesperrt werden beispielsweise Autos mit Benzinmotoren ohne Katalysator und ältere Diesel ohne Abgasreinigung.

Durch das Vorhaben soll vor allem die Luftqualität besser werden. Doch es gibt auch Ausnahmeregelungen. So gelten Oldtimer ab einem Mindestalter von 30 Jahren als Sonderfall: 700 Kilometer pro Jahr sind erlaubt. „Damit komme ich gerade so hin“, sagt Heidi Hetzer. Sie findet die Pläne „nicht bis zu Ende durchdacht“, weil beispielsweise die keineswegs umweltfreundlichen Motorräder ausgenommen sind. Heidi Hetzer benutzt regelmäßig etwa fünf ihrer 20 Oldtimer. Die alten Autos sind für sie ein Stück Kulturgut. Und: „Den Feinstaub verursachen vor allem andere, nämlich Diesel-Fahrzeuge.“

Das moniert auch Martin Halder vom Oldtimer-Forum „Meilenwerk“, der in den Senatsplänen „ein hohes Maß an Symbolik“ sieht und „gigantischen bürokratischen Aufwand“ fürchtet. Den dürfte vor allem das Bezirksamt haben, bei dem die Ausnahme-Anträge landen werden.

Wirtschaftliche Härte kann ein Grund für die Gewährung einer 18-monatigen Gnadenfrist sein. Das dürfte vor allem auf kleinere Betriebe zutreffen, die sich nachweislich keinen neuen Fuhrpark leisten können. Eine Umfrage der Handwerkskammer ergab, dass fast jeder zweite ihrer Mitgliedsbetriebe von Einschränkungen betroffen sein wird. 2010, wenn die Kriterien verschärft werden sollen, wären es nach aktuellem Stand sogar 95 Prozent. Martin Peters, der bei der Kammer die Betriebe berät, würde das ganze Vorhaben am liebsten verschieben lassen, damit die Betriebe Zeit zur Vorbereitung gewinnen. Darauf will sich der Senat aber nicht einlassen. Und er hat gute Gründe: An bis zu 70 Tagen statt der erlaubten 35 wurde im vergangenen Jahr der Feinstaub-Grenzwert überschritten.

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