Zeitung Heute : Umweltzone voraus

Ab 2008 darf nicht mehr jeder in die City fahren. Schlecht für Oldtimerfahrer und Handwerksbetriebe - aber gut für die Luft

Stefan Jacobs

In gut acht Monaten soll die Berliner Innenstadt zur größten Umweltzone Deutschlands werden. Zwar ist Steglitz-Zehlendorf nicht direkt betroffen, die Steglitzer und Zehlendorfer allerdings schon: Wer in die Innenstadt fahren will, braucht eine Plakette, und wessen Auto nicht bestimmte Abgasnormen oder Ausnahmekriterien erfüllt, darf gar nicht mehr rein. Das betrifft beispielsweise Autos mit Benzinmotor ohne Katalysator und Diesel ohne Abgasreinigung.

Doch es soll auch Ausnahmen geben. Oldtimer zum Beispiel sollen mit einem Fahrtenbuch 700 Kilometer jährlich in der Umweltzone fahren dürfen. Auch wirtschaftliche Härte kann ein Grund für die Gewährung einer 18-monatigen Gnadenfrist sein, wenn etwa Betriebe ein altes Auto weiterhin benötigen. Doch noch herrscht Ruhe bei den zuständigen Ämtern: „Bei uns hat sich erst einer gemeldet“, heißt es beim Wirtschaftsamt im Rathaus Steglitz.

Handwerksbetriebe sind stärker betroffen als Privatleute, weil sich viele Lieferwagen und Transporter nicht mit der notwendigen Abgastechnik nachrüsten lassen. Eine Umfrage der Handwerkskammer hat ergeben, dass 43 Prozent der Betriebe von Einschränkungen betroffen sind. Martin Peters, der bei der Kammer die Firmen berät, hält einen Aufschub der Pläne statt der vielen befristeten Ausnahmeregelungen für sinnvoller.

Ökologisch ist es dagegen eher bedauerlich, dass die Umweltzone nicht bis in den Südwestbezirk reicht: Die Schildhornstraße lag mit 66 Überschreitungen des Feinstaub-Limits im vergangenen Jahr auf dem zweiten Platz der Berliner Negativliste. Einziger Trost: Seit Tempo 30 gilt, ist die Luft messbar besser geworden.

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