Zeitung Heute : Und Action! - Die Ästhetik von Sport als Krieg

Caroline Fetscher

Sport ist die Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln. Außerdem gibt es dabei weniger Tote, das ist begrüßenswert. Fortschritt. Im Jahr 2025 kann alles ganz anders aussehen. Dann, so die Fantasie des Regisseurs Ernest Dickinson, ist Sport die neue Form des Krieges. "Futuresport" heißt sein Spielfilm, genau wie die hochgerüstete Mischung aus Basketball, Hockey, Skateboarding und Bowling, die 2025 das Bild der Konflikte bestimmt. RTL bescherte uns den Film am Sonntag, und sorgte für Verwirrung, wenn sich die Werbespots im Techno-Stil fugenlos an den Film anzuschließen schienen. An der geglätteten Ästhetik von Sport als Krieg arbeitete der Film mit, ungebrochen und fasziniert.

Supercoole Jungens aus den Slums der Inner-Cities sind mit TV-Übertragungsrechten Millionäre geworden und managen die Krieger der Sportteams. Supercoole Future-Kulissen geben den hektischen Fragmenten von Sport-Reportagen und Action ihren Rahmen. Cool ist auch die Sprache der in Hartplastik-Rüstung eingeschalten Kämpfer, die um ihren "PI" besorgt sind, ihren Popularitäts-Index. Sie wünschen sich "harte Kurzpässe", "starke Offence und brutale Defence", und werden wütend, wenn ein Assistent versagt: "Du solltest doch meinen linken Stabilisator justieren!" Kann man irgendwie verstehen, dass jemand die Nerven verliert, wenn der linke Stabilisator nicht justiert wurde. Schon schlimm.

So verhält es sich aber mit dem ganzen Plot, dessen linker Destabilisator aus hawaiianischen Rebellen besteht, die aus dem Verband der Vereinigten Staaten ausbrechen, und einen Spitzenkrieger-Sportler verschleppen wollen. Action folgt. Weiter nichts. Nur Action.

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