Zeitung Heute : „Und am Abend telefonieren wir“

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Herr Schneider, es ist Wahlkampf, fällt Ihr Sommerurlaub in diesem Jahr deshalb aus?

Nö, er wird nur verkürzt. Ich fahre Ende Juli acht Tage nach Frankreich. Keinen Urlaub zu machen, wäre auch keine gute Idee, dann fehlt die Frische in den letzten Wochen vor der Wahl.

Sieht das auch Ihre Parteiführung so?

Klar, da gibt es keinen Druck. Fraktionschef Struck hat uns beste Wünsche auf den Weg gegeben und selbst betont, dass jeder auch ein bisschen Urlaub machen sollte.

Gibt es von der Zentrale eine Art Anleitung, nach dem Motto: Wie habe ich mich im Urlaub auf den Wahlkampf vorzubereiten?

Nein. Jeder macht das individuell. Aber jeder Abgeordnete hat so viel vorzubereiten, mehr als eine Woche ist gar nicht drin.

Wie sieht Ihr persönlicher Wahlkampf aus?

Bis zum Ferienende werde ich vor allem Veranstaltungen mit bestimmten Zielgruppen haben: Bundeswehrverband, Mieterverein. In den letzten sechs Wochen beginnen wir intensiv mit den Infoständen, verteilen Material, überlegen, welche Themen wir setzen sollen. Und am Abend telefonieren wir dann mit den Menschen in unserem Wahlkreis.

Denkt man als Abgeordneter nicht: Was soll ich mich abrackern, entscheidend ist ja doch wie Kanzler und Herausforderer im Fernsehen agieren?

Der Trend ist natürlich entscheidend. Aber als guter Direktkandidat kann ich fünf bis acht Prozent der Stimmen beeinflussen, das ist entscheidend. Jeder kann etwas bewegen. Wir haben gerade das junge Kandidaten-Team Ost gegründet, um junge Wähler anzusprechen.

Haben Sie kein bisschen Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass es bald vorbei sein könnte mit der Regierungsverantwortung?

Natürlich. Aber das motiviert doch auch. Ich hatte letztens eine Veranstaltung in Erfurt nach dem schrecklichen Schulmassaker mit Angela Merkel. Wenn ich da höre, was sie für ein Gesellschaftsbild hat, wird mir angst und bange. Und dann bin ich motiviert, weil ich weiß, wofür ich kämpfe.

Sie glauben, Sie können Einfluss nehmen?

Ja. Ich musste im Bundestag beweisen, dass auch wir Jungen es schaffen können. Das hat anderen Mut gemacht, ich kann diese Erfahrung jetzt an unser Jung-Team Ost weitergeben.

Schaut denn in Ihrem Wahlkreis auch ein prominenter SPDler vorbei?

Ja, der Kanzler, in Erfurt.

Das Interview führte Armin Lehmann.

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