Zeitung Heute : Und die alten Lieder klingen - schlecht

Der Tagesspiegel

Im Januar, als der Bayer zum Kanzlerkandidaten erkoren wurde, hatten es Rote und Grüne schon mal versucht: Stoiber sollte zum großen Gestrigen aufgebaut werden, zum Atomausstiegsaussteiger, zum Homoehenscheider, zum Rausländer. Das hat seinerzeit nicht geklappt, weil er so nun auch wieder nicht ist. Zudem verspeiste Kandidat Stoiber derart viel Kreide, dass man Angst um Rügen bekommen musste. Schon drohte der Kulturkampf auszufallen. Doch dann kam der Bundesrats-Freitag. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Nun scheint man in der SPD versucht zu sein, erneut ein bisschen Kulturkampf zu inszenieren, nach dem Motto: offene Gesellschaft gegen geschlossene. Sogar in der Familienpolitik, wo zurzeit ein überparteilicher Lippendienst geleistet wird, bezichtigt der Kanzler die Schwarzen einer schaurigen Familienideologie. Geht’s doch noch los mit dem Kulturkampf? Müssen sich jetzt die Bürger entscheiden zwischen Schwarz und Rot, genauer: Schwarz und Weiß? Nein, müssen sie nicht. Man kann das alles auch einfach abtropfen lassen. Jedenfalls, solange die Union nicht ihrerseits Kulturkampf spielt. Was leider nicht ganz sicher ist. bul

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