Zeitung Heute : Und ewig klagt der Aufsichtsrat

Der Tagesspiegel

Von Claus Vetter

Berlin. Wenn es in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) um Negativmeldungen ging, dann sprudelte die zuverlässigste Quelle in der Deutschlandhalle. Aus der Geschäftsstelle der Berlin Capitals gab es selten Erbauliches zu vermelden: Ausbleibende Gehaltszahlungen, wechselnde Geschäftsführer, dazu ständige Versprechen des ehemaligen Hauptgesellschafters Egon Banghard von einer blendenden Zukunft. Im März entzog die DEL den verschuldeten Capitals die Lizenz. Am Ende der Misere stand auch noch der sportliche Abstieg.

Den aber wollen wohl nicht alle hinnehmen. Mitglieder des Aufsichtsrates der Capitals erwägen, sich in die DEL einzuklagen.

Lorenz Funk mag solche Parolen nicht mehr hören. Das Berliner Eishockey-Idol, vormals auf der Geschäftsstelle ins Marketing abgeschoben, führt bei den Capitals wieder das Wort, seit vor einigen Wochen eine Gruppe 97 Prozent Anteile an der Capitals GmbH für einen Euro erworben hat. „Jetzt wird für die Zweite Liga geplant“, sagt Funk. „Größenwahn wurde hier lang genug betrieben, der Klub hat über zehn Jahre total über seine Verhältnisse gelebt. Jetzt werden wir kleine Brötchen backen."

Doch nicht alle freuen sich bei den Capitals darauf, kommende Saison Gegner wie Bad Tölz und Crimmitschau in der Deutschlandhalle begrüßen zu dürfen. Joachim Börner, Vorsitzender des Aufsichtsrates, will die Lizenz für die DEL vor dem Schiedsgericht der Liga zurückfordern. Dafür haben die Capitals noch bis zum Donnerstag Zeit. Die bereits fertig gestellte Klageschrift umfasst 40 Seiten. Börner hält sich bedeckt: „Ich möchte dazu im Moment nichts sagen.“

Andere schon, etwa Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL. „Ich weiß von dem Vorhaben“, sagt Tripcke. „Da sind Leute vom alten Aufsichtsrat, die gegen Gott und die Welt klagen möchten. Ich habe aber eine klare Aussage vom neuen Geschäftsführer der Capitals, dass nicht geklagt wird. Bisher hat Herr Wuscher immer sein Wort gehalten.“ Dies hat Michael Wuscher weiterhin vor: „Eine Klage kommt nicht in Frage. Wir wollen uns nicht durch die kalte Küche wieder in die DEL reinschleichen.“

Mit der Eröffnung der Insolvenz wird bei den mit vier Millionen Euro verschuldeten Capitals Ende des Monats gerechnet. Nach Abschluss dieser Prozedur würden die Berliner mit kleinem Aufwand in der Zweiten Liga starten: Der Spieleretat soll bei den Capitals kommende Saison bei einer Millionen Euro liegen. Bei der DEL wird dieses Vorhaben mit Wohlwollen verfolgt. „Ein sauberer Schnitt“, findet Tripcke. „Die sollten nicht krampfhaft an irgendetwas festhalten, sondern sich bemühen, das Bild des Klubs zu korrigieren. In ein oder zwei Jahren freut sich die DEL dann über einen Aufsteiger Berlin Capitals." Weniger Freude hätte die DEL indes daran, wenn bis Donnerstag das Schiedsgericht etwas aus Berlin hören sollte. Von dieser Kapriole bleibt die DEL aber laut Wuscher verschont. „Ich habe am Dienstag zwar unterschrieben“, sagt der Geschäftsführer der Capitals. „Allerdings nicht die Klage, sondern die Anmeldung für die Zweite Liga beim Deutschen Eishockey-Bund.“

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