Zeitung Heute : Und immer fährt irgendwo ein Zug nach Nirgendwo

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Es soll Menschen geben, die beim Anblick von Bahnschienen nichts empfinden. Diese Menschen haben vielleicht nie Mark Twain gelesen. Sie haben nie Münzen auf die Eisenstränge gelegt und fiebernd den Zug erwartet, der die Geldstücke zu glänzenden Schätzen formt. Sie haben nicht Stunden damit verbracht, auf einem Hügel zu liegen, die Augen auf die Stelle am Horizont gerichtet, an der ein schwarzer Fleck auftaucht. Und sie haben nie gezittert, wenn die Konturen einer Lokomotive erkennbar wurden. Viel zu kurz dann der Moment, in dem der Zug vorbeirauscht. Vielleicht muss man auf dem Land aufgewachsen sein, um diese Sehnsucht teilen zu können. Vielleicht muss man mit dem Wunsch groß geworden sein, die große weite Welt entdecken zu wollen, zu der die Schienen einen Weg weisen. Andrew Cross hat als kleiner Junge das „trainspotting“ zu seinem Hobby gemacht. Damals lebte er nahe der Route Oxford-Reading. Rund 20 Jahre später machte er als Fotograf seine ersten Bahnreisen in den USA. Er nahm seine Kamera mit, um die Faszination festzuhalten, die er beim Anblick von Gleisen verspürte. In knapp sieben Jahren ist Cross mehrere tausend Meilen durch die USA gereist. Entstanden ist dabei eine Sammlung sehr unterschiedlicher Einzelmotive - von Schienen und Güterzügen, von industriellen Vorstädten und Verladebahnhöfen, von einsamen Streckenabschnitten und Autos, denen der Wege von heruntergelassenen Bahnschranken versperrt wird. Unterwegs durchkreuzen die Züge dichte Wälder, Gebirge und einsame Landschaften – auf unserer Aufnahme ein kalifornisches Wüstengebiet bei Pinnacle. dhu

Andrew Cross: Some Trains In America. Prestel Verlag. München/London/New York 2002. 156 Seiten, 49,95 €.

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