Zeitung Heute : Und in der Praxis?

Cordula Eubel

3,1 Millionen Patienten sind bereits von Praxisgebühr und Zuzahlungen befreit. Was wäre, wenn sich dieser Trend bis zum Jahresende noch verstärkt?

Fast ein Dreivierteljahr nach dem Start der Gesundheitsreform sind etwa 3,1 Millionen Versicherte von den Zuzahlungen beim Arzt und in der Apotheke befreit. Das ergibt eine Umfrage der „Bild“-Zeitung unter den großen Krankenversicherungen. Bei insgesamt 70 Millionen Versicherten in den gesetzlichen Krankenversicherungen ist der Anteil allerdings überschaubar. Die erhofften Beitragsatzsenkungen dürften durch diese Befreiungen daher kaum gefährdet werden.

Nach hohen Defiziten in den vergangenen Jahren haben AOK, Barmer und Co. schließlich im ersten Halbjahr 2004 einen Überschuss von knapp 2,5 Milliarden Euro erzielt. Auch wenn viele Kassen verschuldet sind, sollte da immer noch Spielraum vorhanden sein für sinkende Beiträge. Insgesamt sollen durch Zuzahlungen und die Zehn-Euro-Praxisgebühr 3,2 Milliarden Euro an Mehreinnahmen für die Kassen zusammenkommen. Derzeit sei man im Plan, heißt es im Gesundheitsministerium.

Bundesregierung und Opposition hatten mit der Gesundheitsreform Obergrenzen für die Belastung vorgesehen, um Kranke nicht finanziell zu überfordern. Wer seine Quittungen sammelt, kann sie bei der Krankenkasse einreichen.

Versicherte zahlen maximal zwei Prozent ihrer Bruttoeinnahmen für Praxisgebühr und Arzneizuzahlungen, Chronischkranke ein Prozent.Wer häufig krank ist oder wenig verdient, wird eher von Zuzahlungen befreit. Gerade für Sozialhilfeempfänger kann die Grenze schnell überschritten sein. Sie liegt bei 72 beziehungsweise 36 Euro im Jahr.

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