Zeitung Heute : Und jetzt zum Wetter

Sarah Kramer

Aus dem zweiten Teil des Weltklimareports der UN geht hervor, dass der Klimawandel weiter fortgeschritten ist als bisher angenommen. Was bedeutet das für die Zukunft von Mensch und Natur?


Es gibt kein zurück – das ist zumindest die Botschaft des zweiten Teils des Klimareports der Vereinten Nationen. Der aoll zwar offiziell erst Anfang April in Brüssel vorgestellt werden, doch der Inhalt wurde jetzt schon bekannt. Der Klimawandel sei nicht mehr abzuwenden, sondern bestenfalls noch einzudämmen, lautet demnach das Fazit des UN-Klimarats (IPCC). Für den Report haben sie 30 000 Messreihen ausgewertet. Mehr als 85 Prozent dieser Datensätze gäben Hinweise auf Umweltveränderungen, die durch den Treibhauseffekt bedingt seien, für den der Mensch verantwortlich ist. Durch den Treibhauseffekts würden die Temperaturen auf der Erde auch weiter ansteigen – um mindestens 0,6 Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Diese prognostizierte Erderwärmung wird nach Ansicht der Experten gravierende Folgen haben. So müssen die Menschen in Zukunft immer öfter mit Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürmen, Waldbränden und Dürren rechnen. Vor allem Asien und Europa müssten sich daher auf eine wachsende „hitzebedingte Sterblichkeit“ einstellen, heißt es. Auch das Abschmelzen von Gletschern und der Anstieg des Meeresspiegels dürften nicht mehr aufzuhalten zu sein. Das bedeutet, dass die Menschen in bestimmten Regionen verstärkt mit Überschwemmungen rechnen müssen, während in anderen das Wasser knapp wird. Dabei werden besonders die Arktis, die Inselstaaten im Pazifik, Länder südlich der Sahelzone (Afrika) und die dichtbevölkerten Flussmündungen Asiens von derartigen Naturkatastrophen betroffen sein.

Aber auch für die Umwelt sagen die Wissenschaftler infolge des Klimawandels unumkehrbare Konsequenzen voraus. Ein trauriger Befund des IPCC betrifft die Vielfalt von Flora und Fauna auf der Erde: 20 bis 30 Prozent aller Arten könnten aussterben, sollte die globale Durchschnittstemperatur um weitere 1,5 bis 2,5 Grad Celsius im Vergleich zu 1990 steigen. Nach heutigem Stand könnte dieses Szenario in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eintreten, sofern die Treibhausgas-Emissionen bis dahin nicht stark zurückgegangen sind. Eingeschränkten Optimismus äußern die IPCC-Experten angesichts steigender Kohlendioxid-Konzentrationen in der Erdatmosphäre: Diese wirkten auf die Pflanzenwelt wie ein Dünger und machten die Erde grüner. Die habe zunächst positive Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. Von einem dauerhaften Effekt könne allerdings keine Rede sein. „In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden terrestrische Ökosysteme zu einer Quelle von Kohlenstoff werden, was den Klimawandel beschleunigt“, so der Report. Auch von den Ozeanen wird angenommen, dass sich ihre bisher große Aufnahmekapazität für Kohlendioxid im Laufe des Jahrhunderts erschöpft und die Meere dann zusätzliches Klimagas freisetzen.

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