Zeitung Heute : Und mittags ins Café am Boulevard

In Zukunft schöner essen: Die neue Mensa im Hauptgebäude wird bis 2012 denkmalgerecht saniert – im Stil eines französischen Bistros

Ann-Kathrin Nezik

Wenn ihnen mittags nach anstrengenden Vorlesungen im Hauptgebäude der Magen knurrt, gehen die meisten Studenten der Humboldt-Universität derzeit in ein Zelt. Aber schon bald sollen sie in einem französischem Bistro speisen. In gut zweieinhalb Jahren will das Studentenwerk die renovierte Mensa-Süd an ihrem alten Standort im Westflügel des HU-Hauptgebäudes wiedereröffnen – in völlig neuem Ambiente. Die Besucher werden dort das Gefühl haben, als säßen sie in einem Lokal an einem Pariser Boulevard, sagt Architekt Dieter G. Baumewerd.

Noch ist die Mensa-Süd, der zentrale Anlaufpunkt für alle HU-Studenten, die im Hauptgebäude und Umgebung studieren, in einem Provisorium auf dem Innenhof des Hauptgebäudes untergebracht. In dem zweistöckigen Zelt wird voraussichtlich noch bis zum Wintersemester 2012/13 der Mensabetrieb weiterlaufen.

Helle Farben, Sitzbänke und Spiegel an den Wänden sollen der neuen Kantine französisches Flair verleihen. „Wir wollen eine Mensa bauen, in der man sich gerne aufhält – auch nach dem Essen“, sagt Baumewerd. Das Büro des Münsteraner Architekten hat vor drei Jahren den Wettbewerb für den Umbau gewonnen. Für Baumewerd und sein Team war von Anfang an klar: Die Mensa soll kein High-Tech-Bau werden. Stattdessen wollen sie die historische Substanz des Gebäudetrakts betonen – dazu passte die Idee mit dem französischen Bistro gut. „Die Schönheit des Raumes soll hervorgehoben werden“, sagt der Architekt.

Für die HU-Studenten bedeutet der Umbau der Mensa nicht nur eine angenehmere Atmosphäre, sondern vor allem eines: mehr Platz. Die Zahl der Sitzplätze soll mehr als verdoppelt werden. In der neuen Mensa sollen bis zu 550 Menschen gleichzeitig essen können. Dafür wird auch der bis Anfang der 90er Jahre als Studentenclub und dann als Lagerraum genutzte Keller unter dem Westflügel ausgebaut. Dort ist neben einem Speisesaal die Küche der Mensa geplant. Keller und Erdgeschoss soll ein gläserner Lift für die Gäste verbinden. Geplant sind auch ein Café und eine Terrasse, auf der im Sommer im Freien gegessen werden kann.

„Eigentlich müsste es noch ein Drittel mehr Sitzplätze geben“, sagt Ewald-Joachim Schwalgin, Leiter der Technischen Abteilung der HU. Es wird damit gerechnet, dass täglich 2500 Menschen in der neuen Mensa essen. Aus Platzgründen sei der Bau eines noch größeren Speisesaals aber nicht möglich.

Schwalgin verspricht, dass die Speisenauswahl größer werden soll und die Mensa auch vor und nach den Essenausgabezeiten als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Nach dem Umbau könne die Mensa im Hauptgebäude durchaus mit der Mensa-Nord in der Hannoverschen Straße konkurrieren, hofft der Leiter der Technischen Abteilung. Die Ende 2008 eröffnete Mensa in der Nähe des Charité-Campus gehört derzeit zu den modernsten und schönsten Mensen Berlins.

Bis zum Mittagessen in Bistro-Atmosphäre steht dem jetzt leer stehenden Gebäudetrakt noch ein Umbau-Marathon bevor. Schließlich war die alte Mensa seit ihrem Bau Anfang der 1960er Jahre, von einigen Schönheitsreparaturen abgesehen, nicht mehr saniert worden. Die Kücheneinrichtung war völlig veraltet.

Um den Keller nutzbar zu machen, muss er in den kommenden Monaten trockengelegt werden. Erst im Spätherbst können voraussichtlich die Bauarbeiter anrücken und mit dem eigentlichen Umbau beginnen. Dann müssen Säulen freigelegt, Zwischendecken herausgerissen und neue Eingänge eingebaut werden. Da der Umbau viel Lärm machen wird, sind die im Westflügel angesiedelten Institute für Geschichte und Klassische Philologie in den vergangenen Wochen in ein angemietetes Bürogebäude in der Friedrichstraße umgezogen. Kosten soll die Mensa-Renovierung insgesamt 15 Millionen Euro. Bezahlt wird sie vom Land Berlin. Weitere zwei Millionen Euro steuert die HU für die Kücheneinrichtung bei.

Architekt Baumewerd kennt sich aus mit der Architektur Berlins. Er saß in der Jury für den Wettbewerb um den Stadtschloss-Wiederaufbau, sein Büro hat die Apostolische Nuntiatur – die diplomatische Vertretung des Vatikans – in Neukölln gebaut. Für ihn steht fest: „Das Hauptgebäude der Humboldt-Uni ist eines der schönsten Gebäude Berlins.“ Vielleicht eröffnet an der HU ja bald eines der schönsten Bistros Berlins – aber zumindest eine der schönsten Mensen der Stadt. Ann-Kathrin Nezik

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