Zeitung Heute : Und noch ’n Gedicht

Als 17-Jähriger war Günter Grass in der Waffen-SS. Diese Tatsache sollte man ihm nicht zum Vorwurf machen. Er war jung und konnte nichts anderes im Kopf haben als Nazipropaganda. Was man Grass aber zum Vorwurf machen kann, ist sein Umgang mit dieser Sache. Er hat geschwiegen, wie fast alle Mitläufer. Günter Grass hat das Schweigen über die Nazizeit, Verdrängung, dieses Grundübel der Nachkriegsjahre, perfekt verkörpert.

Seine Karriere als Autor und sogenannte moralische Instanz baute er darauf auf, seine eigene, entschuldbare, aber eben nicht lupenreine Vergangenheit zu verschweigen. Den Nobelpreis hätte er vielleicht nicht bekommen, wenn er, der Wortgewaltige, nicht so gut geschwiegen hätte. In der 68er- Zeit nannte er die Studenten von der Apo, die kaum älter waren als er in seiner Zeit bei der SS, „linke Faschisten“ und „rotlackierte Nazis“. Er war gnadenlos und hart, außer, wenn es um ihn selbst ging. Insofern hat er die Haltung der Waffen-SS bis zum heutigen Tag bewahrt.

Günter Grass hat jetzt ein Agitprop- Gedicht veröffentlicht. Darin klagt er Israel an, es plane einen Angriff, der „das iranische Volk auslöschen könnte“. Ich habe aus neueren Originalzitaten des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad ein zweites Gedicht gebastelt, das es an literarischer Kraft ohne Weiteres mit dem Werk des deutschen Nobelpreisträgers aufnehmen kann.

„Das zionistische Regime beruht

auf vielen Lügen.

Eine davon ist der Holocaust.

Der israelische Staat ist eine Krebszelle. Der Iran ist entschlossen,

Israel auszulöschen.

Israel muss von der Landkarte

des Nahen Ostens getilgt werden.

Israel ist ein künstliches Land,

entstanden durch eine Lüge.

Der Holocaust – ein Märchen,

das als Vorwand für Verbrechen

gegen die Menschheit benutzt wird.

Der Iran ist entschlossen,

Israel auszulöschen.

Die Juden beherrschen die Welt.

Juden sind ein Krebsgeschwür,

das ausgemerzt werden muss.

Die Welt muss sich

dieses ansteckenden Tumors

entledigen.

Wer für Menschlichkeit ist,

muss für die Auslöschung

des zionistischen Regimes sein.

Der Iran wird niemals

von diesem Standpunkt abweichen.

Der Iran ist entschlossen,

Israel auszulöschen.“

Alles von Ahmadinedschad, wie gesagt. Bei Grass aber findet sich der seltsame Vorwurf, Israel plane, das iranische Volk „auszulöschen“. Nicht einmal die radikalsten Nationalisten in Israel haben so etwas vor. Es handelt sich um eine Projektion. Ausgerechnet Israel sollen die Naziverbrechen in die Schuhe geschoben werden, so will es der selbstgerechte Verdränger Günter Grass.

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