& SONST? : Andere Helden

HANNOVER, DU AUFREGENDE!

Graue Maus war gestern: Am 20. 2. um 23 Uhr fährt die EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin Margot Käßmann in Hannover über eine rote Ampel. Am 27. 4. wird in Aygül Özkan die erste türkischstämmige Muslima Landesministerin in – genau – Hannover. Am 29. 5. gewinnt mit Lena Meyer-Landrut zum ersten Mal seit 1982 eine Deutsche den Eurovision Song Contest – natürlich kommt sie aus Hannover. Am 30. 6. wird Christian Wulff Bundespräsident, zuvor regierte er Niedersachsen, natürlich von Hannover aus. Am 27. 11. gewinnt Ralf Schnoor eine Million Euro bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ – der Gastwirt kommt natürlich aus Hannover. Seit Neustem wird dort sogar richtig gut Fußball gespielt – nur einer von vielen Gründen, die Leine-Metropole an dieser Stelle zu würdigen.

FRITZ, DU TEUFEL!

Die Aktion hätte fast von Fritz Teufel selbst sein können, dem Puddingattentäter, Anarcho-Rebell und Spaßmacher der 68er: Am 7. 8. finden Spaziergänger das aufgewühlte Grab des am 6. 7. beerdigten Kommune-I-Veteranen Fritz Teufel. Am darauffolgenden Freitag wird die leere Urne auf dem Grab des Studentenführers und Teufel-Freundes Rudi Dutschke auf dem Dahlemer St.-Annen- Friedhof gefunden, dabei ein Zettel, über dessen Inhalt die Angaben auseinander gehen. Die schönste Version: „Was ein teuflischer Spaß, Rudi Dutschke hätte das gefallen.“

(S-)BAHN, DU BLÖDE!

In Berlin ist es vor allem der Winter, der Zugfahrgäste in den Wahnsinn treibt: Der Notfahrplan der S-Bahn, der aufgrund der seit Mitte 2009 und im Zuge des strengen Winters massiv auftretenden Störungen am 4. 1. in Kraft tritt, kann bereits wenig später nicht eingehalten werden. Nach einer kurzen Normalisierung setzt das Chaos zum Wintereinbruch Anfang Dezember wieder ein. Die Deutsche Bahn betrübt ihre Kunden auch im Sommer: Am Wochenende um den 10. 7. fallen in mehreren Zügen die Klimaanlagen aus, diese heizen sich daraufhin teilweise auf über 50 Grad auf, diverse Fahrgäste kollabieren – und erhalten dafür später 500 Euro Schmerzensgeld. Die Berliner S-Bahn-Kunden dürfen sich als Entschädigung über stark vergünstigte Tarife im November und Dezember freuen. Aber da fahren die Züge schon wieder nicht regelmäßig.

VUVUZELA, DU NERVIGE!

Da hat jemand früh geahnt, wo es mit den „Vuvuzela“ genannten südafrikanischen Plastiktröten, die während der Fußball-WM das Land überschwemmen, hingehen würde: Bereits am 19. 5. empfiehlt das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, „den Gebrauch dieser Instrumente beim Public-Viewing zu untersagen“, da die „hiervon ausgehende Gehörgefährdung für andere Besucher und das mögliche Übertönen von Notfalldurchsagen“ sehr deutlich gegen eine Benutzung in Menschenmengen spreche. Doch auch wenn es explizit ausgesprochen wird, hält sich während der WM kaum jemand an das Verbot. Erst im Nachgang wird wirkungsvoll gegen die Tröten vorgegangen: Sechs Bundesligavereine verhängen ein Stadionverbot für die Vuvuzela, bei den anderen regelt sich das Problem über den Unmut lärmempfindlicher Fans. Das Resultat: Von den Vuvuzelas hat man seit dem WM-Finale am 16. 8. in Johannesburg kaum noch etwas gehört.

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