Zeitung Heute : Und was haben Sie gekauft?

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„Eckig, schlicht und pflegebedürftig“, sagt Jan. „Klobig, trostlos und Schrott“, sagen seine Freunde. Die Rede ist von Jans grasgrünem Jetta GT, Baujahr 1982. Ohne Servo, ohne ABS, ohne Airbag und manchmal ohne funktionierenden Anlasser. Jetzt wollte der Blinker nicht mehr. Das heißt, er wollte schon, aber anders: Immer wenn Jan auf die Bremse trat, ging das linke Blinklicht an. Dafür gab der Nebelscheinwerfer sein Bestes, wenn Jan den Blinker betätigte. Also hat Jan wieder mal ein kleines Vermögen an den Kfz-Mechaniker bezahlt. Eigentlich findet Jan den Jetta ja auch „grottenhäßlich“. Aber das Auto ist ein Geschenk von seiner Oma. Bis vor zwei Jahren hat die alte Dame noch selbst hinter’m Steuer gesessen. Dann, zu ihrem 84. Geburtstag, hat sie das Autofahren dran geben müssen. Das Gehör hat nicht mehr mitgemacht. An diesem Geburtstag hat sie sich nur eines gewünscht: Der Jetta soll in der Familie bleiben. „Jan kriegt ihn“, hat sie gesagt. So kam Jan zum Jetta. Momentan geht es Jans Oma nicht so gut. Nach den Ohren haben auch die Augen schlapp gemacht. Und jetzt auch der Verstand. Oft weiß sie nicht mehr, wer und wo sie ist. „Wer ist der junge Mann“, hat sie neulich gefragt und auf Jans Vater, ihren Sohn, gezeigt. Sie konnte sich nicht an ihn erinnern - einfach vergessen. Gestern war Jan bei seinen Großeltern. „Heute ist es mit der Oma ganz schlimm“, hat der Opa an der Tür gesagt. Als Jan ins Wohnzimmer kam, hat sie ihn angelächelt. „Was macht der Jetta“, hat sie gefragt. Dagmar Rosenfeld

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