Zeitung Heute : Und welchen Pass haben Sie?

Christine Demmer

Der überdurchschnittliche Prozessmanager ist Amerikaner, erfolgreiche Firmengründer stammen aus Deutschland, die reputiertesten Diplomaten sind an der Seine geboren und der typische Konzernaufsteiger ist ein Japaner. Noch ein Vorurteil gefällig? Aufgepasst: Gegenwärtig sind die flexiblen Australier in den Top-Etagen im Kommen.

Wer den beruflichen Erfolg an die jeweilige Nationalität knüpfen will, findet überall sowohl Positiv- als auch Negativbeispiele. Denn herausragende Spezialisten und Führungspersönlichkeiten kamen und kommen aus allen Nationen und Kulturen - sie werden allenfalls nach Landeseigenart besonders ausgewählt. Diese Kriterien sollte man als Deutscher kennen, will man in den Wettbewerb um eine attraktive Position antreten.

In Deutschland geht der beruflichen Karriere ein relativ langes Studium voraus. Das hat zur Folge, dass der Absolvent schnell das dreißigste Lebensjahr erreicht, bevor er seine berufliche Laufbahn einschlägt. In den USA dagegen ist eher wichtig, welche praktischen Leistungen der Einzelne aufweisen kann. Anders ist es in Frankreich, wo der Name und Ruf der jeweiligen Alma Mater entscheidend darüber bestimmt, ob und welche Karriere dem Absolventen prognostiziert werden kann. Sechs Jahre studiert, acht oder zwölf? Ziemlich egal, wenn die Hochschule stimmt. In Deutschland bestimmt der Student sehr selbstständig Inhalt und Dauer seines Studiums, kann es relativ locker angehen. Aber: Gleichgültig, was erfolgreiche deutsche Manager studiert haben, sie haben selten überdurchschnittlich lange Zeit im Elfenbeinturm verbracht.

Will man in Frankreich Karriere machen, ist die Universität entscheidend. Heinz Schneider von der Carl-Duisberg-Gesellschaft: "Ein Studium in der Provinz kann zwar durchaus reizvoll sein, doch die Universitäten in Paris besitzen nach wie vor das größte Renommee. Die zentralistische Struktur setzt sich in den Köpfen fort." Der Ruf der Ausbildungstätte beeinflusst wesentlich die späteren Karrierechancen. Nota bene: Erfolgreiche französische Führungskräfte sind mehrheitlich von Hause aus begütert, sie haben an den richtigen Hochschulen ihre Examina abgelegt und sich frühzeitig auf dokumentierte Erfolge konzentriert. In den Staaten wird erwartet, dass der Führungsnachwuchs sein Studium nicht nur zügig absolviert hat, sondern mit guten Noten und an einer der alten, renommierten Universität. Dem Nachwuchs wird frühzeitig Verantwortung übertragen. Ein Manager wird an seinen Erfolgen gemessen - an nichts sonst. Für Japaner werden die Weichen für den Chefposten schon in der Primary School gestellt. Nach dem Examen entscheiden vor allem Anpassungsvermögen und diplomatisches Geschick über den späteren Erfolg.

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