Zeitung Heute : Und wer räumt die Küche auf?

Barbara Bierach

Ein Hamburger Wirtschaftsmagazin zitierte im vergangen Jahr einen Trendreport zum Thema Geschlecht und Arbeit, der die Vorstellungen von Achtklässlern dazu zusammen trug. Da sagt der 13jährigen Kevin aus einer Gesamtschule: „Wenn ich ein Mädchen wäre, fände ich das schlimm. Ich dürfte vielleicht nicht in einen Fußballverein. Man würde von mir erwarten, dass ich Musik spiele oder lese! Ich hätte wahrscheinlich keine eigene Playstation. Es wäre dann viel schwieriger, einen Job zu bekommen. Wenn ich später heiraten würde, müsste ich Hausfrau sein. Dann könnte ich Kinder bekommen und sähe dick und fett aus. Ich müsste dann die Küche aufräumen, statt Formel Eins zu gucken.“

Willkommen im ach-so-emanzipierten 21. Jahrhundert! Nun habe wir uns in 30 Jahren Feminismus einen abgebrochen, um die Rollenstereotype für Frauen endlich loszuwerden und ganze „Girl´s Days“ veranstaltet, um das Interesse der Mädchen für „typische“ Männerberufe in der Technik zu wecken. Das hat auch einigermaßen geklappt – die Zahl der Studienanfängerinnen in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern hat sich verdoppelt. Leider haben wir die Knaben dabei ganz vergessen und jetzt finden die frei nach Kevin immer noch: Pappi macht Karriere und kriegt zu Hause den Ehrenplatz auf dem Sofa, Mammi kriegt die Kinder und macht den Dreck weg.

Da haben wir ja offenbar eine Menge verbockt: Erstens sind Rollenvorbilder erlernt, die Kinder spiegeln vor allem das, was sie zu Hause hören und sehen. Wir sollten uns also überlegen, was wir vorleben. Besonders Sonntagnachmittag, wenn die Formel Eins läuft und sich die Reste vom Mittagessen in der Spüle stapeln. Zweitens nützt es gar nichts, den Mädchen zu erklären, ihnen stünde die Welt offen, wenn ihre zukünftigen Kollegen, die Jungs, weiter im dem Glauben gelassen werden, dass die Arbeitswelt für die Mädchen „schwieriger“ ist. Drittens ist es an der Zeit, Buben wie Kevin ein paar Perspektiven jenseits von Technik und Auto aufzuzeigen. KfZ-Mechaniker und Ingenieur sind tolle Berufe, es gibt aber auch Männer, die als Erzieher oder Krankenpfleger arbeiten und das sind keineswegs peinliche Gestalten.

„Wenn ich ein Junge wäre, würde ich sehr unglücklich sein. In der Schule wäre ich schlecht, ich bekäme einen Hauptschulabschluss und würde später mein Geld mit Nebenjobs verdienen.“ Liest man in dem Trendreport dieses Statement einer 14 Jahre alten Isabel, muss man zu dem Schluss kommen, dass alles, was wie Feminismus auf -ismus endet, letztlich zu Verhältnissen führt, die ähnlich borniert sind, wie diejenigen, gegen die ursprünglich mal angetreten wurde.

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