Zeitung Heute : Und wie hieß noch gleich dieser Nazarener?

Der Tagesspiegel

„Was ist Glück?“ Diese Frage, in fetten Lettern auf großen, öffentlichen Werbeflächen hätte vor kurzem noch Assoziationen einzig an Margarine, Autos, bestensfalls an Urlaub geweckt. Etwas ist auch hier anders geworden seit dem vielbeschworenen 11. September. Der Hunger nach Sinn ist wieder spürbar, Fragen der Religion und Philosophie sind wieder „in“. Die evangelische Kirche will die Gunst dieser Stunde nutzen, 1,5 Millionen Euro soll ihre Imagekampagne kosten: Auf großen Werbeflächen und in Hochglanzbroschüren wird die Kirche für sich und ihre Botschaft werben. Im Internet sollen Bischöfe und Pastoren per Chat Rede und Antwort stehen. Das ist mutig – und auch richtig. Die Kirche darf und soll sich ruhig des modernen Marketings bedienen. Befremdlich allerdings sind die Inhalte. „Woran denken Sie an Ostern?“, so die Frage des ersten Plakats, andere wie „Wohin wollen Sie?“ sollen folgen. Darf es denn nicht ein bisschen mehr sein? Allzu defensiv verzichtet die Kirche darauf, ihre Botschaft von Tod und Wiederauferstehung beim Namen zu nennen und versteckt sich hinter Allgemeinplätzen. Gut nachvollziehbar, dass dies bei vielen Christen auf Kritik stößt. Die evangelische Kirche dürfte ruhig noch etwas mutiger sein. svs

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