Zeitung Heute : Unerlaubte Selbstjustiz

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Die Richter haben aus Sicht von Frank B. nichts verstanden. Während sie ihm vorhielten, dass er eine Hundezüchterin geschlagen und ihr in entwürdigender Weise Kokosfett ins Haar geschmiert habe, brüllte er: „Davon stirbt man nicht!“ Der 49-jährige Tierschützer B. hatte gemeinsam mit einem Komplizen eine 76-jährige Rentnerin überfallen, um zehn Yorkshire-Terrier „aus der Verwahrlosung zu befreien.“ Gestern befand das Landgericht, dass militanter Tierschutz mit deutlichen Strafen zu ahnden sei. Gegen B. wurden drei Jahre und neun Monate Haft verhängt, der zweite Angeklagte kam mit einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe davon. „Es gibt nicht die geringste Rechtfertigung dafür, Tierschutzinteressen mit Gewalt durchzusetzen, das ist Selbstjustiz", sagte Richter Hansgeorg Bräutigam.

Frank B. hatte einen Hinweis bekommen, dass Hildegard K. ihre Tiere nicht artgerecht halte. Am Vormittag des 23. Januar vergangenen Jahres „sondierte“ er das Gelände in einer Laubenkolonie in Blankenburg und gab sich gegenüber der Züchterin als Kaufinteressent aus. Am späten Abend kam er wieder. Diesmal mit dem 57-jährigen Michael G. als Verstärkung und mehreren Kartons für den Abtransport der Hunde im Auto.

Frank B. sei bei der „Befreiungsaktion“ weit übers Ziel hinausgeschossen, hieß es im Urteil. Er habe die Frau mit Handschellen und Klebeband gefesselt, sie mit einem Gummiknüppel geschlagen, ihr Kokosfett und Mehl ins Haar geschmiert. Die zehn Yorkshire-Terrier brachten die Angeklagten zu anderen Tierschützern. Hildegard K., die über 25 Jahre lang Hunde züchtete, sah ihre Tiere nicht wieder. Der Amtstierarzt befand, dass die Hunde „ungepflegt und verwahrlost“ waren. „Militanter Tierschutz ist nicht zulässig“, sagte der Richter. Gegen Frank B. wurde eine weitere Strafe verhängt: Eineinhalb Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. B. hatte in einem Park nackt onaniert und Kinder genötigt, mit ihm Pornobilder zu betrachten. Kerstin Gehrke

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