Zeitung Heute : Ungeladene Gäste

Mehr als 100 000 Demonstranten werden am Rande des Gipfels erwartet – für die friedlichen gibt es Annehmlichkeiten, um die anderen kümmert sich die Polizei

Gerd Höhler[Thessaloniki]

„Die einzigen Schulen, die erleuchten, sind jene, die brennen“, hat jemand an die Mauer eines Gymnasiums in Thessaloniki gesprüht. „Die Anarchisten sind schon da“, meldet besorgt der Fernsehsender Flash. Mit 100 000 Globalisierungsgegnern rechnet man in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki, in deren Nähe der EU-Gipfel stattfindet. Die Griechen wollen den Demonstranten mit einer Doppelstrategie begegnen: Gastfreundschaft für jene, die friedlich demonstrieren, und ein massives Polizeiaufgebot gegen jene anderen, die gewaltbereit sind.

Rund 350 000 Euro lässt sich der zuständige Minister für Nordgriechenland, Jorgos Paschalidis, die Betreuung der Demonstranten kosten. Auf sie warten Zeltlager, ein eigenes Pressezentrum, ein Stadion für ihre Kundgebungen und Freifahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Das 3. Programm des Staatsfernsehens ERT soll den Globalisierungsgegnern als Forum zur Verfügung stehen, Museumsführungen sollen sie friedlich stimmen. „Man kann 100 000 Besucher nicht einfach ignorieren“, meint Paschalidis.

Das sagt sich auch sein Kollege im Ministerium für Öffentliche Ordnung, Michalis Chrysochoidis. Er mobilisiert für den Gipfel so viele Polizisten wie noch nie bei einem Großereignis in Griechenland. 11 000 Beamte werden im Einsatz sein. Verstärkt werden sie von rund 4000 Soldaten und Männern der griechischen Küstenwache. Der eigentliche Tagungsort, der Hotelkomplex Porto Carras auf der Halbinsel Chalkidiki, wurde mit einem zwölf Kilometer langen und drei Meter hohen Stacheldrahtzaun abgeriegelt. Kein Demonstrant soll auch nur in die Nähe des Veranstaltungsortes kommen. Zwei Patriot-Raketenbatterien werden die Gipfelteilnehmer vor feindlichen Flugobjekten schützen. Der Luftraum wird gesperrt.

Im 120 Kilometer entfernten Thessaloniki sichern viele Geschäftsinhaber ihre Schaufenster mit massiven Stahlgittern und Brettern. „Wir hoffen, die Zwischenfälle begrenzen zu können“, sagt ein griechischer Polizeioffizier, „aber ganz verhindern können wir sie wahrscheinlich nicht.“

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