Zeitung Heute : Ungewisses Ende einer Treibjagd

Der Tagesspiegel

Berlin. Zuerst ist Thomas Gerstmeyer ja noch einigermaßen zurückhaltend. Da sagt er nur: „Auf den ,Weißen Bären’ wird von mehreren Seiten aus eine Treibjagd betrieben.“ Aber irgendwie ist das dem Präsidenten des Fecht-Clubs Grunewald doch nicht drastisch genug, immerhin geht es um das größte Herren-Degen-Fechtturnier der Welt. „Der ,Weiße Bär’ steht kurz vor der Hinrichtung“, fügt Gerstmeyer also noch hinzu. Aber noch findet das Turnier – am nächsten Wochende – statt, die Vorrunde am Samstag im Horst-Korber-Zentrum (9 Uhr), das Finale am Sonntag in der Mercedes-Niederlassung Holzhauser Straße (14 Uhr 30). „Eigentlich war es schon tot“, sagt Gerstmeyer. Der Senat hatte nämlich für 2002 die Ausfallbürgschaft - 25 000 Euro - gestrichen. Bei einem Gesamtetat von 30 000 Euro wäre das der finale Stich gewesen. 2002 steht nun doch noch Senatsgeld bereit, aber 2003? Wenn nicht, wäre der „Weiße Bär“, veranstaltet vom Fecht-Club, als internationales Turnier tot, nach 43 Jahren Existenz.

Zudem will auch noch das Finanzamt Geld. Steuernachzahlungen für die Siegprämien 1998 bis 2001. 7000 Euro wären zu versteuern, und Gerstmeyer ist empört: „Da werden Amateuren ein paar hundert Mark aus den Rippen geleiert, das ist schon ein starkes Stück“. Der Fecht-Club ging „aus Gutgläubigkeit“ (Turnierchef Dagobert Remuss) davon aus, dass solche Steuern nicht fällig sind. Schließlich würden die bei keinem Fechtturnier in Deutschland bezahlt. Eine Nachfrage beim Finanzamt unterließ Gerstmeyer allerdings. „Warum schlafende Hunde wecken?“ Notfalls will sein Klub aber „durch alle Instanzen gehen“.

Sport? Sport gibt es auch. Mehr als 200 Athleten sind am Start, keine Top-Stars, aber wenigstens der Weltranglisten-Achte Attila Fekete (Ungarn). Frank Bachner

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