Zeitung Heute : Uni entzieht Guttenberg den Titel

Opposition nennt Minister einen Lügner.

Berlin - Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktortitel aberkannt. Diese einstimmige Entscheidung des Promotionsausschusses gab Universitäts-Präsident Rüdiger Bormann am Mittwochabend bekannt. Hintergrund ist der Vorwurf, der CSU-Politiker habe bei seiner Dissertation wissenschaftlich unkorrekt gearbeitet und Zitate aus anderen Texten nicht hinreichend belegt. Nicht geklärt wurde, ob er bewusst getäuscht hat. „Das wäre sicherlich ein längerer Prozess gewesen, das dezidiert nachzuweisen“, sagte Bormann. Die Uni habe darauf verzichtet, da Guttenberg selbst um die Rücknahme seiner Dissertation gebeten habe.

Guttenberg hatte zuvor vor dem Bundestag erneut jegliche Täuschungsabsicht bestritten und Plagiatsvorwürfe ein weiteres Mal „abstrus“ genannt. Ein Plagiat setze voraus, dass „bewusst und vorsätzlich“ getäuscht werde. Gleichwohl räumte der Minister abermals Fehler ein. Er habe geglaubt, sowohl seinem Bundestagsmandat als auch seinen Aufgaben als junger Familienvater sowie der wissenschaftlichen Arbeit gerecht werden zu können. „Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt“, sagte er. „Für mich stellte das offenbar eine Überlastung dar.“ An seinem Amt wolle er aber festhalten.

Die SPD griff Guttenberg scharf an. Er sei „ein akademischer Hochstapler und Lügner“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Er frage sich, wie Guttenberg nach den Plagiatsvorwürfen noch eine Respekt- und Autoritätsperson für zehntausende deutsche Soldaten sein wolle. Die Kanzlerin, die ihn nicht entlassen habe, opfere „die Wahrheit der Macht.“ Merkel selbst begrüßte am Abend die Entscheidung der Universität Bayreuth. Der Minister sei dadurch im Amt nicht geschwächt. Tsp

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